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„Ein Platzerl zum Träumen“ – Grüner See in Österreich


Als „Platzerl zum Träumen“ kündigt ein Prospekt den Grünen See in der österreichischen Steiermark an. Klingt nach Werbe-Kitsch. Doch der von oben smaragdgrüne, von unten kristallklare Bergsee ist tatsächlich bezaubernd schön. Tauchen im See wird für mich nie wieder dasselbe sein.

Der Grüne See besticht mit einer Sichtweite, wie man sie sich nur schwer vorstellen kann. Bis zu 50 ungetrübte Meter weit kann man an guten Tagen durch den Grünen See blicken.

Schon die Geschichte des Sees klingt verlockend: Er entsteht jedes Frühjahr aufs Neue durch Schmelzwasser aus den Bergen. Während des Sommers schrumpft er dahin, bis nur noch eine große Pfütze übrig bleibt. Wo im Frühsommer getaucht wird, spazieren im Herbst die Wanderer. Nur wenige Monate im Jahr lässt sich der See von Tauchern erkunden.

Grüne Wiese, Blumen, sandige Wanderwege, grasbewachsene Felsbrocken, Parkbänke und eine Holzbrücke liegen dann unter Wasser. Bei hohem Wasserpegel kann man im Slalom zwischen Bäumen am Ufer hindurch tauchen.

Eisige Kälte

Das Einzige, was der See mit anderen gemein hat, ist seine kalte Temperatur. Mit 5 Grad ist das Wasser gar eisig, an der Oberfläche ebenso wie auf den maximal sieben oder acht Metern Tiefe. Wer kann, geht trockentauchen. Wer nicht kann, hält es etwa 40 Minuten lang aus, wobei die ersten fünf und die letzten zehn Minuten schmerzen. Doch die Strapazen lohnen sich.

Mit mir im Wasser ist der international ausgezeichnete österreichische Unterwasser-Fotograf Heinz Toperczer. Im Grünen See hat er wohl hunderte Tauchgänge gemacht. Doch seine Kamera nimmt er noch immer mit. Kein Stück ist seine Begeisterung über diesen zauberhaften Ort nach all den Tauchgängen verlorengegangen, noch immer faszinieren ihn die malerischen Motive im Grünen See.

Sagenhaft klares Wasser

Wir tauchen zur hölzernen Brücke, die ich schon von Fotos und Videos kenne. Endlich bin ich selber hier. Wir schweben über die grüne Wiese, vorbei an in die Höhe ragenden Blumen. Über Schotter und Sand weiter zu Steinen, die auf dem Grund des Sees das Wort „Tragöss“ formen – den Namen des Ortes, in dem der Grüne See liegt.

Wir fliegen durch sagenhaft klares Wasser über Wanderwege. Und lassen die im See ausgesetzten Regenbogenforellen geduldig nahe an uns heran kommen. Deutlich erkenne ich die Regenbogenfarben ihrer Schuppen. Deutlich könnten sie dagegen erkennen, dass ich friere.

Auf dem sandigen Grund krabbeln große Larven von Köcher- und Eintagsfliegen, die sich in Blätter und Holzstücke eingespinnt haben. Ihre Spuren sind im ganzen See zu sehen. Und auch der Blick in die andere Richtung, zur Oberfläche, wird belohnt. Wenn es windstill ist und keine Luftblasen die Wasseroberfläche brechen, sind Hochschwabmassiv, blauer Himmel, Wolken und Wald deutlich zu erkennen. Die Wasseroberfläche wird zum Fenster in die Welt.

Konstantes Blubbern

Als wir das Wasser verlassen, strahlt der See mit der Sonne um die Wette. Von oben ist sein Smaragdgrün bis Türkis so intensiv, dass es beinahe unecht wirkt. Der See scheint einer Fabelwelt entsprungen. Taucher sind durch die Wasseroberfläche in allen Details zu erkennen. Ihre Luftblasen erzeugen ein weiches Blubbern, das den ganzen Tag über am Ufer zu hören ist.

Am nächsten Tag leuchtet der See noch intensiver als am Tag zuvor. Ich beneide die Taucher im Wasser, doch ich muss weiter. Muss mich wehmütig losreißen von diesem wahrhaftigen „Platzerl zum Träumen“. Ich bin sicher: Ich komme wieder.

Weitere Fotos vom Grünen See in Österreich

Ich bedanke mich herzlich bei Heinz Toperczer für die wunderschönen Bilder, die Erlaubnis, diese hier zu veröffentlichen, zwei unvergessliche Tauchgänge und einen tollen Tag.

Weitere Informationen

Grüner See und Umgebung: Der Grüne See zählt zu den schönsten Tauchseen Europas. Er liegt im Tragösser Tal in der österreichischen Steiermark, kurz hinter Tragöß-Oberort. Tragöß liegt in einem Talschluss des Hochschwabmassives vor wunderschöner Kulisse. Es lohnt sich, ein paar Tage zu bleiben. Tragöß und Umgebung eignen sich neben dem Tauchen sehr gut zum Wandern, Mountainbiken, Radfahren, Fischen und Paragleiten.

Tauchen: Eine Tauchgenehmigung kostet 9 Euro und ist im Gasthof Seehof direkt am See erhältlich. Dort gibt es auch eine Füllstation, Toiletten und leckeres Essen. Ausrüstung wird nicht verliehen. Wer in Tragöß übernachtet, bekommt vom Gastgeber eine Gästekarte. Bei Vorzeigen spart man 1 Euro Tauchgebühr sowie Parkgebühren auf einigen Parkplätzen.

Der Grüne See ist ideales UW-Foto-Areal. Um kein Sediment aufzuwirbeln, sollte man gut tarieren können.

Im Tauchseen-Portal habe ich ein Profil für den Grünen See angelegt.

Schönste Tauchzeit: Frühjahr während und nach der Schneeschmelze. Der Wasserstand schwankt je nach Witterung und Schneelage im Winter. Wer am Wochenende / Feiertag kommt, sollte vor 9 Uhr eintreffen. Ratsam ist eine Anreise wochentags.

Übernachtung: Kontaktanfrage an das Tourismusbüro oder Zimmer direkt über dessen Seite suchen. Persönliche Empfehlung: Maria Illmayer, Gästezimmer Nr. 90, in Tragöß-Oberort. Sehr freundlich, sauber, hilfsbereit. Von dort in fünf Minuten mit dem Auto zum See.

Weltrekord: Direkt vor unserem ersten Tauchgang stellte Michael Kemeter, Slackliner und Base-Jumper, am Grünen See einen Weltrekord auf. Auf seiner Slackline balancierte er 222 Meter über den See – ein toller Anblick (s. letztes Foto der Bildergalerie). Herzlichen Glückwunsch!