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So „bombastisch“ ist das Tauchen vor der Inselgruppe Malpelo im Pazifik


Die spektakulärsten Tauchplätze liegen manchmal vor unbewohnten, aus dem Wasser ragenden Felseninseln mitten im Meer. Unser Gastautor DiveCooky war kürzlich mit der MV Yemaya II rund um die Inselgruppe Malpelo unterwegs. Er berichtet von „bombastischen“ Tauchgängen!

Neuneinhalb Stunden nach Abflug erreichen wir die beeindruckende Küste Amerikas. Der Anblick lässt das Herz höher schlagen! Das war damals bei den Wikingern, Kolumbus oder wer auch immer zuerst Amerika entdeckt hat, sicherlich genauso. Nur dürften die noch etwas ausgelaugter das rettende Ufer erreicht haben und konnten nicht ins nächste Steakhouse marschieren und einen Burger und ein kühles Bier bestellen. Ganz reibungslos geht es natürlich nicht weiter. Technische Probleme verhindern den Start. Letztlich verlässt der Vogel Miami erst zwei Stunden später als geplant. Der Anblick Miamis bei Nacht von oben entschädigt beinahe alles!

40-stündiger Höllenritt bei der Anreise

Gelandet in Panama liefern wir wieder unsere Fingerabdrücke ab. Das Hotel Panama Country Inn liegt direkt am Panamakanal und ist etwas außerhalb des Zentrums. Ein wirklich schönes Hotel mit gutem Frühstück. Wir erreichen den Großstadthafen Puerto Mutis bereits in vollkommener Dunkelheit.

Weil wir zu spät ankommen und die Ebbe bereits eingesetzt hat, musste die MV Yemaya II bereits auslaufen und wir werden von Skiffs, kleinen Booten, abgeholt.

Die weitere Anreise verlangte buchstäblich die Reise durch die Hölle um in den Himmel zu gelangen. Ich erwische eine der härtesten Überfahrten des Jahres. Bei Gegenwind und Wellen schaukeln wir insgesamt 40 Stunden in Richtung Malpelo!

In Malpelo strahlt endlich die Sonne! Ich habe jedoch noch etwas Nachwehen durch die Überfahrt. Ich hätte definitiv eine Pille gegen Seekrankheit nehmen sollen.

Altar de Virginia: ein Riff voller Muränen

Den ersten Tauchgang absolvieren wir am Altar de Virginia. Er liegt mehr oder minder direkt vor der Anlegestelle des Bootes. Zum Abschluss des Tauchgangbriefings bittet uns der Guide darum, bitte keine Muränen zu zeigen. Es gäbe Tausende. Wir springen rein, tauchen ab, und nach rund fünf Minuten entdecke ich eine Muräne.

Zeige ich auf sie? Nein, ich unterdrücke und verkneife es mir. Kurz darauf weiß ich, das war die richtige Entscheidung: Im Minutentakt liegen die Muränen offen im Riff herum. Gute Sicht ist ebenfalls mit uns. Für 20 oder 30 Meter reicht es über die gesamten sechs Tauchtage immer.

Fischstrom und Big-Eye-Stachelmakrelen am Felsblock Portos

Böse gesagt ist Malpelo mit 0,35 Quadratkilometern nur ein kleiner Felsblock im riesigen Pazifik. In dessen Norden ragen weitere kleine Felsblöcke aus dem Wasser, welche die Namen der Musketiere tragen. Wir beginnen unseren zweiten Tauchgang an Portos. Durch dessen Felsspalte schiebt uns eine Schwellströmung immer wieder vor und zurück. Keine Chance für die riesige Schule an Blaustreifenschnappern, uns zu entgehen. Der Fischstrom wollte gar nicht enden – überwältigend!

Am Ausgang warten neben einer großen Languste Big-Eye-Stachelmakrelen auf uns. Immer brav im Pärchen unterwegs. Eins schwarz, eins weiß.

Den Abschluss des ersten Tages bildet El Bajo del Monstruo. Ein Pinnacle, der von zehn auf über 70 Meter abfällt. Wieder begrüßen uns Massen an Muränen. Im Riff steht ein Schwarm Zackenbarsche. Ein ziemlich fett gefressener Weißspitzen-Riffhai kreuzt unseren Weg. In der Tiefe passiert eine Bastard-Makrele, die locker den Riffhai zum Frühstück hätte verputzen können. Auf unserem Safety Stop im Blauen schauen Haie vorbei.

Hammerhaie in dreistelliger Zahl

Den zweiten Tag beginnen wir morgens an La Nevera Interna. Man springt nahezu direkt am Felsen ins kalte Nass und legt sich auf 20 bis 30 Metern Tiefe auf die Lauer. Zunächst war nicht so viel los. Ein scheuer Galapagoshai beim Abtauchen und zwei Mal setzen drei bis fünf  Hammerhaie zum Sprung an die Putzerstation an, kommen dann aber doch nicht näher. Dann, für einen kurzen Moment, trauen sich einmal 20 Hammerhaie in unsere Nähe.

La Gringa bildet mit La Ferreteria die südliche Speerspitze von Malpelo und beherbergt ebenfalls einige Putzerstationen für Großfisch. Ähnlich bei Portos gibt es auch an La Gringa eine Felsspalte beziehungsweise Höhle, durch die hindurch getaucht werden kann und in der sich große Schwärme von Schnappern verstecken. Und diesmal kommt es zur ersten größeren Begegnung: Circa 100 Hammerhaie ziehen ans uns vorbei! Anschließend schleichen sich immer wieder einzelne Spähtrupps von hinten an uns heran. Ein bombastischer Tauchgang!

La Nevara Interna: zweiter Großfisch-Versuch geglückt

Wir starten einen erneuten Versuch an La Nevara Interna, um zu schauen, ob nachmittags mehr los ist an der Putzerstation. Leider haben sich wieder Wolken über Malpelo gelegt und so gibt es unter Wasser etwas weniger Licht für uns. Doch direkt nach dem abtauchen geht’s ab! Wir legen uns auf das Riff. Von Norden kommen Hammerhaie und vorne passieren sie uns ebenfalls. Locker 50 bis 100 Tiere! Alles perfekt für das sehende Auge. Nur für filmreife Aufnahmen reicht es noch nicht ganz.

Als letzter drehe ich mit meinem Buddy ins Blaue ab, aber nicht ohne einen letzten Blick über das Riff zu werfen. Und ich muss nochmals umkehren: Eine Schildkröte hält direkt auf mich zu. Nach so vielen tausenden Kilometern Weg wäre es unhöflich, sie nicht zu begrüßen.

Acuario: riesige Fischtrichter und Walhai-Besuch

Unseren ersten Tauchgang verbringen wir am dritten Tag im Acuario. Dieser Spot sollte nach Abschluss der zehn Tage mein absoluter Lieblingsplatz bleiben. An drei Tauchgängen war dort jedes Mal ein riesiger Fischtrichter von locker 5.000 bis 10.000 Mullet Schnappern unterwegs. Dazu gesellten sich weitere Schwärme von Bonitos, Schnappern und Drückern. Eine Putzerstation gibt es dort auch, bei unserem Tauchgang blieb sie jedoch leer. Im Tagesverlauf fand sich bei einer der Tauchgruppen dort allerdings ein Walhai ein – nur leider nicht bei meiner.

Am Tauchplatz Cast Away folgt ein etwas weniger spektakulärer Tauchgang. Steilwandfans kommen auf ihre Kosten und es gibt eher „gewöhnliche“ Bewohner des Riffs zu entdecken, wie einen schwimmenden Oktopus, mehrere Lobster, zwei Riffhaie, sowie Trompeten-, Kugel- und Igelfische.

Fotografieren unter erschwerten Bedingungen

Im abschließenden Tauchgang in La Gringa suchen wir uns einen strategisch günstigen Felsblock und warten auf passierenden Großfisch. Die Schwellströmung lässt schnell die Erinnerung an die Überfahrt hochkochen. Es gab absolut keine Chance, den sehr neugierigen Galapagoshai in irgendeiner Weise brauchbar zu digitalisieren. Für die Nachwelt daher unbekannt, zog er wieder von dannen. Auch ein gewaltiger Brocken eines Yellow Fin Tunas wird sein tristen Leben in der Anonymität fristen müssten. Ich bekomme den Finger nicht an den Abzug, ich hab mit mir selbst zu tun.

In der Ferne lässt sich in einem ruhigen Moment eine große Schule Hammerhaie erahnen. Im darauffolgenden Drift ins Blaue sind sie eindeutig identifizierbar.

Lang ersehntes Highlight: mein erster Walhai

Unter Wasser hat sich ein Kracher bisher noch nicht blicken lassen, der einen auf Anhieb die Strapazen der Anfahrt und des Hochseelebens vergessen lassen würde. Wir versuchen unser Glück an der Fratteria, dem südlichsten Tauchplatz in Malpelo. Und tatsächlich: Unser Guide fängt plötzlich im Blauwasser an wie wild zu fuchteln. Mein Puls nähert sich den 200 Schlägen pro Minute und sollte so schnell nicht wieder abnehmen: Kolossal erhebt sich aus der Tiefe des Pazifiks der sanfte Riese mit den kindlichen Knopfaugen und hält direkt auf mich und die Putzerstation zu! Mehrmals zieht er seine Kreise, jeder kann ihn ausführlich ablichten, ehe er nach rund 10 Minuten weiter zieht. DA ist das Highlight – mein erster Walhai!

Und als wäre meine Flasche nicht sowieso schon leer genug durch den Walhai, gibt‘s beim Auftauchen noch Delfine!

Fazit

Abgesehen von der Überfahrt ist uns das Wetter wohl gesonnen. Ein Wechsel zwischen Wolken, Sonne und auch mal Regen bestimmt die Verhältnisse über der Wasseroberfläche. Der Seegang hält sich in erträglichen Grenzen. Der Wind rauht die See zwar immer wieder auf, für einen Hochseeplatz aber sicherlich noch in nicht nennenswerten Grenzen. Die Crew und das Essen sind vorbildlich, an Bord herrscht eine angenehme Atmosphäre.

Solche Massen von Muränen wie hier und ein Riffleben in üppiger Vielfalt bei herausragenden 25 Metern Sicht findet man leider nur noch selten auf dieser Welt. Nimmt man die immensen Schwärme verschiedenster Fischarten hinzu, so verkleinert sich die Auswahl der Konkurrenz ein weiteres Stück. Dazu die riesigen Schulen an Hammerhaien. Malepelo war die Strapazen, die die Anreise uns aufgezwungen hat, eindeutig wert!

Mehr Bilder von Malpelo

Dieser Gastbeitrag ist eine gekürzte Fassung des Originalbeitrags im Blog von DiveCooky. Alle Fotos sind von DiveCooky. Wir bedanken uns für die Kooperation!

Mehr Informationen über Malpelo

Malpelo ist eine kleine, unbewohnte Inselgruppe und liegt im östlichen Pazifik, rund 500 Kilometer westlich vor Kolumbien. Die Hauptinsel Malpelo ist nur rund eineinhalb Kilometer lang, maximal 727 Meter breit und ragt 300 Meter über die Meeresoberfläche. Malpelo gilt unter Tauchern und Meereswissenschaftlern als begehrtes Großfisch-Ziel und ist bekannt für riesige Haischulen. Malpelo wurde 2006 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen.

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