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Die Sieglseen in Tirol: Tauchen in unbekannten Ausnahme-Tauchplätzen


Im Naturschutzgebiet im Tiroler Schwarzwassertal liegt ein weitgehend unbekannter Ausnahme-Tauchplatz: die Sieglseen. Der Ausblick auf die Seen von Land versetzt selbst Nichttaucher ins Träumen. Tauchgenehmigungen gibt es nur drei Mal pro Jahr für wenige Taucher – dieses Mal war ich dabei.

Vermutlich ist es bei jeder der wenigen Touren zu den Sieglseen dasselbe: Eine kleine Tauchgruppe schleppt und plagt sich schnaufend durchs Gestrüpp, einzelne Taucher werden sich fragen, ob es nicht eine total doofe Idee war, diese Tour zu buchen. Und wenn sie dann alle oben am Abgang zu den Seen angekommen sind und das knallige Türkis des Wassers erblicken, gibt es keinen Zweifel: Das war eine großartige Idee!

Spontan möchte man sich beim Organisator bedanken, schon bevor man überhaupt im Wasser war. Wäre ich hier der Tourguide, ich würde mich vor jeder Sieglsee-Tour diebisch freuen auf diese Gesichter beim Anblick der Seen. Fest steht jedenfalls ganz schnell: Ich muss und will da sofort rein, ganz egal, wie kalt das jetzt werden wird.

Das Tauchen in den Sieglseen muss man sich „verdienen“

Bis vor rund 500 Jahren waren die Sieglseen, die auf 1.205 Metern Höhe liegen, noch eine riesige Höhle. Diese stürzte ein und hinterließ die beiden beinahe kreisrunden Krater, die sich mit Quellwasser füllten. Das Tauchen in den Sieglseen muss man sich erst einmal „verdienen“. Um die Seen zu erreichen, ist eine etwa halbstündige Anfahrt über schmale, ansteigende Forstwege nötig – im Bulli mit acht Personen und Tauchgepäck auch dann schon eine Herausforderung, wenn man sich nicht verfährt (Gruß an Tobi und Lucas! ;) ).

Anschließend geht’s rund 15 Minuten lang mit allem Tauchgerödel über kaum erkennbare Trampelpfade durch den Wald. Die Arme werden dabei alle paar Schritte immer länger…

Hat sich das ungläubige Staunen (und Schnaufen) oberhalb der Seen gelegt, geht’s über einen noch schmaleren Trampelpfad steil den trichterartigen Abgrund hinab. Ein Seil hilft beim Festhalten, festes Schuhwerk ist hier ein Muss. Am Ende des Weges überqueren wir einen kleinen glitschigen Bachlauf, der die Seen verbindet, und breiten uns dann am Ufer des kleinen Sees aus.

Der große Sieglsee: mit der Nase an der Wand entlang

Der erste Tauchgang im großen Sieglsee (rund 100 Meter Durchmesser und 30 Meter Tiefe) ist ernüchternd: Es ist nicht nur erwartungsgemäß unglaublich kalt, sondern die Sicht ist so schlecht, dass wir und auch die anderen Buddyteams schon nach wenigen Minuten abbrechen. Erst, wenn man mit der Nase gegen die Felswand stößt, wird klar: „Aha, hier muss ich dann wohl weiter links um den See herum.“ Zehn Minuten waren wir unter Wasser, sind dann quer durch den See zurückgeschwommen und beim Ausstieg sind meine Hände trotz Handschuhen schon so kalt, dass ich kaum aus dem Wasser komme. Meine Kameralinse ist dank der Kälte total beschlagen und so verbringe ich die Pause damit, fast ein ganzes Taschentuch ins Gehäuse zu stopfen.

Nach diesem Mini-Tauchgang zieht kaum jemand seine nassen Tauchsachen ganz aus. Zu groß wäre die Überwindung, so frierend erneut in das nasse Neopren zu steigen. Dann lieber in feuchtem Zustand ausharren. Das Blitzen in den Augen von Tauchlehrer Tobi sagt deutlich: Da kommt noch was auf uns zu, das sich lohnt, alles wird gut. „Wehe, wenn nicht“, drohe ich lachend und bibbernd.

Der kleine Sieglsee: Schleimalgen-Zipfel und Baum-Mikado

Der kleine Sieglsee (rund 30 Meter Durchmesser und 12 Meter tief) lockt bereits von oben mit einem surrealen, geweihartigen Astgebilde, das man schon durch die Oberfläche sehen kann.

In Ufernähe besteht der Grund aus Schleimalgen, die zipfelartig nach oben wachsen. Ein absolut irrer Anblick! Als zöge ein unsichtbarer Magnet den Bewuchs gen Sonne ist auch unter Wasser alles, was sich in Oberflächennähe befindet, von diesen Zipfeln überzogen. Darin verfangen sich Millionen von Luftbläschen, die, woher sie auch kommen, vielleicht nie die Oberfläche erreichen werden (siehe auch dieses Video bei YouTube).

Die schönste Stelle im kleinen Sieglsee befindet sich am Abfluss. Hier stapeln sich unzählige Baumstämme in einem Riesen-Mikado, das die gesamte Tiefe des Sees abdeckt. Ich komme mir klein vor dagegen. Auch diese Bäume sind kräftig mit watteartigen Schleimalgen bewachsen, die sich entweder der Oberfläche entgegen sehnen oder über die Baumstämme nach unten wachsen, als wären sie flüssig.

Paparazzi im Zauberwald

Es klingt kitschig und abgedroschen, aber die Unterwasserwelt des kleinen Sieglsees ist eine märchenhafte Zauberwelt, in die man eintaucht und aus der man trotz Kälte eigentlich gar nicht mehr auftauchen möchte.

Zur Belustigung meiner Buddys fotografiere ich wie ein Paparazzi alles, was ich sehen kann, aus allen Blickwinkeln. Ich kann gar nicht mehr aufhören, alles sieht einfach genial aus. Doch das Taschentuch tut seinen Dienst nur bedingt, die Linse ist und bleibt beschlagen. So werden meine Fotos allesamt unscharf oder gleich ganz unbrauchbar.

Am Ende dieses Nachmittages macht Begeisterung die Runde. Die Plackerei hat sich gelohnt, der Weg zurück ist mit den schönen Unterwasserbildern im Kopf nur noch halb so wild, obwohl es jetzt bergauf geht. Und auch Tage nach der Tour wird noch kräftig geschwärmt.

Ich bin sicher, die Begeisterung hält an, so dass wir alle die Augen offen halten werden, um ja nicht den nächsten Termin für diese einzigartige Bergsee-Tour zu verpassen.

Mehr Fotos von den Sieglseen in Tirol


Ich danke Tobias Heisler für seine Fotos!

Mehr Informationen zu den Sieglseen in Tirol

Die Sieglseen gehören den Österreichischen Bundesforsten und werden nur drei Mal pro Jahr zu festen Terminen fürs Tauchen freigegeben. Und das auch nur für eine Bulliladung Taucher. Diese Sondergenehmigungen bekommen nur das Planseecamp sowie der Allgäuer Taucherhof, beide im Besitz von Harald Zeller. Entsprechend werden die Touren von dort organisiert. Praktisch: So kann man zum Beispiel den Plansee gleich mitnehmen (über den ich schon berichtet habe) und in der Nähe liegen noch der Lechausee, der Blindsee sowie der Fernstein- und Samaranger See (zum dekopause-Bericht) – allesamt lohnende Tauchziele!

Tauchen in den Sieglseen: Wichtig ist eine sehr gute Tarierung. Die Schleimalgen reagieren super-empfindlich – nicht nur auf direkte Berührung, sondern schon auf Wasserdruck, zum Beispiel von Flossenschlägen. Man sollte die Beine möglichst wenig bewegen und am Einstieg äußerst behutsam vorgehen. Die Wassertemperatur war einstellig und steigt generell auch nicht darüber hinaus.

Tipps: Unbedingt mitbringen sollte man warme Sachen, feste Schuhe wie Wanderschuhe, Fotoapparat und wenn vorhanden eine Unterwasserkamera (mit ausreichenden Mitteln gegen Feuchtigkeitsbildung im Gehäuseinneren). Diese sollte allerdings gut gepolstert verpackt sein. Grundsätzlich ist es wegen der Schlepperei ratsam, so wenig wie möglich mitzunehmen.