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Frank Olbert vom Techdiving Network über Forschung und Trends im Tec-Bereich


Das Techdiving Network (TDN) ist ein Zusammenschluss aus Tec-Tauchern und solchen, die sich für diesen Bereich interessieren. Frank Olbert ist einer der Netzwerk-Gründer und erzählt im dekopause-Interview mehr zum TDN, dessen Forschungsthemen und Trends im Tec-Tauchen.


Sonja Kaute: Hallo Herr Olbert, Sie sind Teil des Techdiving Networks. Worum handelt es sich bei dem Netzwerk genau?

Frank Olbert: Die Idee einer globalen Informations- und Internetplattform für das technische Tauchen entstand aus der Tradition, die Dr. Bernd Aspacher mit den G-Tech Konferenzen in den 90er Jahren gründete. Da Dr. Aspacher bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, entstand eine Lücke, die wir bestrebt waren aufzufüllen. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, kam es zur Gründung eines hochkarätigen, internationalen Forums für Interessierte und Profis gleichermaßen. Die Organisation “Techdiving-Network” war geboren und bietet seitdem professionelles Wissen und interessante Explorationsberichte aus erster Hand. Bis heute ist es uns gelungen, TDN in Form einer “non-profit” Organisation zu betreiben. Ob dies in Zukunft weiterhin möglich ist, hängt von unseren Sponsoren und Förderern ab.

“Bring the best together” war und ist die fundamentale Idee für die bislang vier TDN Symposien. Dem Ruf folgten bis dato eine ganze Reihe handverlesener Referenten. Auf unserer neuen Website wollen wir die Referenten, die uns mit einem Beitrag unterstützt haben, demnächst in einer Rubrik auflisten und deren Beiträge (soweit zur Verfügung gestellt) zum Download freigeben.

Auf der Website ist auch die Rede von Explorationen. Zu welchen Themen wird denn geforscht?

Es geht um die Ergebnisse, die vor allem von den großen Protagonisten der Szene erreicht wurden. Das sind Ergebnisse zur Höhlenforschung, Höhlenvermessungen, neue Rekorde was Penetrationstiefe angeht, Gaswahl und Dekompressionsverfahren beziehungsweise Setup, welches benötigt wurde um die beschriebenen Ziele zu erreichen. Um die Schwierigkeiten und  Probleme, die dabei auftraten und um Lösungswege. Und natürlich auch darum, welche Ausrüstung dabei warum benutzt wurde sowie um die Dokumentation von Wracks und teilweise auch Rekonstruktion der Untergangsursache. Großes Beispiel aus der Neuzeit: Untersuchungen an der „Estonia“ durch Mario Weidner und schließlich Denkmal- und somit auch Geschichtspflege.

Auf dem 4. TDN-Symposium Ende vergangenen Jahres ging es auch um aktuelle Themen. Welche Tec-Trends bekommen derzeit die größte Aufmerksamkeit?

Trends gibt es immer viele. Momentan ist sicher das Sidemount-Tauchen ein großer Trend, der auch als Monkey Diving im Sporttauchen seinen Einzug hält. Und der nächste große, aber schon länger vorhandene und immer wieder diskutierte Trend ist jetzt  aufgrund der zunehmenden Heliumverknappung wohl Rebreathertauchen. Zumal auch Vertreter namhafter Tauchverbände sich zum Rebreathertauchen speziell zum ECCR geoutet haben und diese wohl als Trendsetter zu sehen sind. Darüber hinaus bemühen sich die Hersteller vermehrt um CE Zertifizierung ihrer Geräte. Da dies mit einem entsprechenden finanziellen Aufwand verbunden ist, ist offensichtlich ein Markt da, den sich die  Hersteller erschließen.

Welche Aspekte des Tec-Tauchens werden denn auch zunehmend von klassischen Sporttauchern aufgenommen – und warum?

Das Sporttauchen hat zunehmend Sicherheitskriterien aus dem technischen Tauchen übernommen, siehe Verwendung einer Long Hose, Doppelgerät und getrennt absperrbare Brücke,
Kaltwassertauglichkeit der Atemregler und ein Kompfortgewinn durch ein Peevalve. Auch finden zunehmend die Dekompressionsprozeduren bei den Sporttauchern Anklang, wie Deep Stops, entsprechend langsame Aufstiegsgeschwindigkeiten und die Verwendung spezieller Atemgase, insbesondere Nitrox.

Wie würden Sie das Verhältnis von klassischen Sporttauchern und Tec-Tauchern einschätzen? In Foren im Internet und manchmal auch „am See“ könnte man den Eindruck gewinnen, es sei eher angespannt als konstruktiv. Ich bin allerdings sicher, dass man viel voneinander lernen könnte.

Nach meiner persönlichen Einschätzung möchte ich Ihnen beipflichten. Trotzdem ist es uns ein Anliegen, auch für Sporttaucher bei unseren Veranstaltungen einen Brückenschlag herzustellen mit Themen, die nicht nur im High-End-Bereich des Technischen Tauchens zu finden sind. So zum Beispiel das Thema Scapa Flow beim letzten Symposium, was auch von ambitionierten Sporttauchern bewältigt werden kann, oder die Tauchtauglichkeitsuntersuchung die die Frage, warum diese für Taucher ab 40 Jahren so wichtig ist. Um nur einige zu nennen.

Im Moment redet die Branche wie Sie schon sagten viel über das Sidemount-Tauchen. Welche Vorteile hat das eigentlich und ist das auch was für ansonsten nicht so tec-begeisterte Taucher?

Frank Olbert

Das Sidemount-Tauchen bietet Möglichkeiten, die mit klassischem Backmount nicht zu erreichen sind. Wir erinnern uns an alte Übungen unter Wasser, das Gerät abzulegen und in Vorhalt durch einen Engpass zu tauchen, das war für die Geschicklichkeit im Schwimmbad sicher ganz nett, der Sicherheit unter Wasser aber eher abträglich. Inzwischen hat sich eine Philosophie entwickelt, die Ausrüstung den Tauchbegebenheiten anzupassen und keine „All in One“-Lösung zu propagieren. Außerdem war es klar, dass man sich unter Wasser nicht von seiner Gasversorgung trennt. So ist das Sidemount-Tauchen entwickelt worden. Im Augenblick feilt man an den Sicherheitsprozeduren und passt auch hier die Entwicklung an die Begebenheiten an, so zum Beispiel das Auftriebsvolumen. Den Anfängern sei geraten, sich genauestens zu informieren, wer welche Sidemount-Konfiguration für welchen Einsatz entwickelt hat. Da wird noch viel gebastelt. Ob es sich im Sporttauchbereich durchsetzt und die Vorteile die Nachteile aufwiegen, wird die Zeit zeigen. Es ist jedenfalls ein Trend zu beobachten und das wird die Entwicklung sicher vorantreiben.

Welche Quellen, Magazine, Website, Blogs sollte man denn verfolgen, wenn man sich für das technische Tauchen interessiert?

Die üblichen erst mal. Sicher das Taucher.Net aufmerksam lesen, das Forum Diving Group  und die Websites der Tauchverbände. Die Magazine Dive Master, Wetnotes und Unterwasser sind sicher die ambitioniertesten Magazine auf dem Markt. Als Websites empfehle ich DIR M von Wilke Reints, Daniel Schmid, die Seite der Wreck Explorers oder auch die von Helmuth Biechl und last but not least Facebook. Dort findet man nach ausgiebiger Recherche etliche Taucher und Gruppen, die ihre Aktionen publizieren. Aber natürlich sollte man auch die TDN-Seite nicht vergessen. ;-)

Was aber viel wichtiger ist: Dass man sich genügend Zeit zur Recherche lässt und nicht die Maxime „Geiz ist geil“ walten lässt. Technisches Tauchen ist nicht ganz ungefährlich und jedem interessierten Sporttaucher, der sich mit dem Gedanken trägt, sich mit Technischem Tauchen zu beschäftigen, sei eine seriöse Ausbildung angeraten.

Vielen Dank für Ihre Antworten!