Hauptmenu

Günter Loewke über das ungewöhnliche Konzept des neuen Budi Sun Resort in Indonesien


Günter und Katharina Loewke haben sich einen Traum erfüllt und im Sommer 2013 in Indonesien mit ihren Freunden Netty Pedor Luettig und Franz Luettig ein Tauchresort eröffnet. Im Interview erzählt Günter Loewke, was an dem Konzept des Resorts besonders ist und was Taucher dort erwartet.


Sonja Kaute: Euer Budi Sun Resort  hat im vergangenen Sommer eröffnet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Urlaubs- und Tauchresort zu betreiben?

Günter Loewke: Als wir 2010 unsere Asienreise gemacht haben, haben wir auf der Insel Flores die ersten sechs Wochen verbracht. Dort haben wir Netty Pedor Luettig und ihren Mann Franz kennengelernt und schnell Freundschaft geschlossen. Als wir einige Wochen später wieder auf Flores waren, haben wir dort unseren Wunsch geäußert, ein Grundstück zu pachten und uns dort ein Haus für unsere Rente zu bauen. Dies haben wir realisiert. Netty hat uns gefragt, was man mit dem restlichen Grundstück am Meer machen kann und es ist die Idee geboren worden, ein Tauchresort zu bauen. Wir sind weitergereist und nach sechs Wochen zum dritten Mal nach Flores gereist. Bei diesem Besuch haben wir die Idee in ein Konzept umgesetzt. Es gab damals noch viel zu klären. 2012 war die Planungsphase abgeschlossen und wir haben mit dem Bau begonnen.

Die Maumere Bucht, in der das Resort liegt, ist recht abgelegen. Was hat Euch an der Gegend so begeistert?

Es war wohl das Fehlen des Massentourismus, wie wir ihn an vielen Orten in Asien kennengelernt hatten. Wir haben einen Ort gesucht, an dem nicht an jeder Ecke eine Disko oder eine Kneipe ist. Unsere Zielpersonen sind Menschen, die sich an einem warmen Ort ausspannen und erholen können. Ein Ort, an dem Tauchen zum Entspannen möglich ist, an dem aber auch Abenteuer mit Bergsteigen und Dschungeltouren angeboten wird. In der Maumere bucht gibt es diese Ruhe noch, obwohl auch hier der Tourismus auf dem Vormarsch ist.

Welche tierischen Begegnungen darf man beim Tauchen in Eurem Hausriff und an den anderen Tauchplätzen erwarten?

In der Maumere Bucht gibt es neben den ausgedehnten Korallengärten rund 1400 Fischarten. Wenn wir etwas weiter vor die Insel Babi rausfahren, haben wir im Westen schon die offene See mit vielen Großfischen. Auf dem Weg zu den Tauchplätzen begegnen uns immer wieder Delfinschulen, Pilotwale und unzählige fliegende Fische sowie Dugongs. Unsere Freunde von der Tauchbasis Ankermi hatten auch schon Begegnungen mit durchziehenden Walhaien.

Unter Wasser treffen wir auf Großfische wie Schwarz- und Weißspitzenhaie, Stachelmakrelen und Thunfische, oft sehen wir Gruppen von Barrakudas unter der Oberfläche. Es gibt Adler- und Blaupunktrochen. Wir haben Pygmäen-Seepferdchen, Süßlippen, Tintenfische, große Zackenbarsche in den Höhlen und Feuerfische, Nacktschnecken und Schaukelfische. So geht es immer weiter. Wer beim Tauchen die Augen offen hat und ein wenig auf den Tauchguide achtet, wird bei jedem Tauchgang etwas Neues zu sehen bekommen.

Bei Euch sind Taucher und Schnorchler willkommen. Macht ihr auch Tauchausbildung?

Tauchausbildung machen wir 2014 / 2015 nur im Sommer, also von Anfang Juli bis Ende September. Ich bin Instructor Trainer (SSI und IAC) und in dieser Zeit vor Ort. Es ist geplant, dass unser Guide Rudolph 2014 Tauchlehrerassistent und 2015 Tauchlehrer wird. Wir werden daher ab Sommer 2015 immer einen Tauchlehrer vor Ort haben. Damit ist dann die Ausbildung bis zum Tauchlehrer gesichert.

Ich habe ich gelesen, dass ihr mit den lokalen Fischerbooten zum Tauchen rausfahrt. Was steckt dahinter?

Das Budi Sun Resort hat nach unserer Philosophie nicht das Ziel ein Profit-Center zu sein. Wir wollen aus unseren Gewinnen Geld in die Infrastruktur der Insel, also zu den Menschen zurückführen. Dazu gibt es unterschiedliche Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in der Bildung von Frauengruppen oder der Unterstützung der Gesundheit in den Bergdörfern.

Die Fischer auf Flores führen ein sehr karges Leben. Daher wollen wir diese Berufsgruppe unterstützen, indem wir ihre Boote für Schnorchel- und Tauchfahrten nutzen. Das hilft sehr, den Lebensstandard dieser Berufsgruppe zu heben. Wir nehmen dabei gerne die lauteren Motoren in Kauf (wir verteilen vor den Bootsfahrten kostenlos Ohrenstöpsel). Die Sicherheit ist dennoch gewährleistet, wir chartern nur Boote mit zwei Motoren, so dass wir schnell sind und bei Ausfall eines Motors dennoch zurückkommen.

Ihr habt auch ein eigenes Hausriff am Resort. Auf Eurer Website beschreibst Du, wie Du es zum ersten Mal erkundet hast. Habt ihr noch mehr Tauchplätze, die ihr selbst entdeckt habt?

Bis zum Sommer nutzen wir die bekannten Tauchplätze innerhalb der Maumere Bucht und vor Pulau Babi. Das sind mehr als zehn interessante Tauchspots. Uns reizt allerdings die Frage, was sich vor der großen Insel Pulau Besar befindet, also nördlich dieser Insel zum offenen Meer hin. Daher haben wir beschlossen, in diesem Sommer, sobald ich vor Ort bin, diese Bereiche mit erfahrenen Tauchgästen zu betauchen. Wir werden das „Adventure Diving“ nennen und hoffen, dort draußen viele neue und unerforschte Tauchplätze zu finden.

Und was kann man neben dem Tauchen noch machen? Euer Motto lautet ja „Abenteuer, Entspannung und Tauchen“. Ich las etwas von Vulkanen, heißen Quellen und Bergen?

Wir können unseren Gästen mehr als zehn Ausflugsziele anbieten. Alle, die nicht tauchen oder etwas anderes sehen wollen, können sich vor Ort ein umfangreiches Programm zusammenstellen. Wer Abenteuer mag, kann den noch aktiven Vulkan Egon (1700 Meter hoch) besteigen. Der Weg führt anfangs durch den Dschungel, später durch eine karge Bergregion.

Der Dschungel bietet viele Möglichkeiten für Wanderungen oder Treckings. Hier sind am Fuße des Egon heiße Quellen zu finden, die mit einem kalten Gebirgsbach zusammenlaufen – ein Badegenuss! Im Urwald gibt es einige Bauern, die den Wald urbar gemacht haben: eine Farm im tiefsten Dschungel. An der Südküste gibt es neben vielen noch unerforschten Urwaldbereichen die kilometerlangen Sandstrände von Bola und Doreng. Hier gibt es noch keine Touristen.

Es gibt Ausflüge mit unserer CEO Netty, um soziale Projekte in den Bergen zu sehen. Sie zeigt gerne die Bibliotheken und ihre medizinischen Projekte. Es macht zudem Spaß, auf den Wochenmärkten in Kewapante oder Maumere einzukaufen. Leckeres Essen gibt es auf dem Nachtmarkt in Maumere.

Rundfahrten durch die Region zeigen atemberaubende Aussichten auf Küste und Meer und auch die grünen Hochebenen in den Bergen. Ich könnte die Liste weiter fortsetzen, man muss Flores allerdings selber erleben, um die Schönheit dieser Insel zu verstehen.

Was ich an Eurem Resort besonders spannend und anders finde ist der nachhaltige und soziale Ansatz. Erzähl bitte mal, wie ihr das im Detail umsetzt.

Wie schon angedeutet sind wir kein reines Profit-Center, obwohl auch wir natürlich Geld verdienen wollen und müssen. Unser Resort wird von der indonesischen Familie Pedor geleitet, die das Resort auch gebaut hat. Netty, die CEO, Agus, der Architekt, und Rasdiana, die für die Finanzen zuständig ist, werden von einem indonesischen Team als Staff unterstützt. Zurzeit wird nur der Tauchbereich aus Deutschland unterstützt, das soll sich aber auch ab 2015 ändern.

Aus unseren Gewinnen werden umfangreiche soziale Projekte unterstützt, diese sind auf unserer Website aufgelistet. Es gibt viele Ideen für weitere Projekte, zum Beispiel eine Schule, auf der Deutsch als Fremdsprache angeboten wird und in der im Hotelbereich ausgebildet werden soll. Wir wollen die Entwicklung des Handwerks fördern, vielleicht mit einem dualen System wie wir es aus Deutschland kennen.

Zum Stichwort Nachhaltigkeit: Für jeden während der Bauphase gefällten Baum haben wir drei neue Bäume gepflanzt. Alles, was im Budi Sun an Pflanzen dem Bau weichen muss, wird sofort neu gesät. Unser Gemüse bauen wir selber an, für das Obst haben wir viele Bäume und Sträucher gepflanzt. Was nicht bei uns selber wächst, kaufen wir „auf der anderen Straßenseite“ bei den Bauern, die nach unseren Vorstellungen und Wünschen anbauen. Wir haben eigene Hühner für die Eier und eigene Schweine und Rinder, die biologisch gefüttert werden.

Brot backen wir selber. Übrigens auch „dunkles Brot“ für unsere deutschen Gäste. Nahe dem Haupthaus haben wir im letzten Sommer einen großen Räucherofen gebaut, in dem wir unseren Fisch teilweise selber räuchern. Zurzeit noch mit Buchenholz-Spänen, die wir aus Deutschland einführen – wir arbeiten aber an Alternativen. Den Fisch kaufen wir übrigens direkt bei den Fischern auf dem Fischmarkt oder bei den bei uns vorbeifahrenden Fischern.

Vielen Dank für das Interview! Leider ist mein positiver Eindruck von Eurem Projekt nur theoretisch, aber ich wünsche Euch viel Erfolg!


Alle Fotos: © Budi Sun Resort

Mehr Informationen zum Budi Sun Resort

Unterkunft: Das Resort besteht derzeit aus sechs Unterkünften, die eine geringe Gästezahl und Ruhe garantieren. Es handelt sich um drei Sea View Bungalows mit Meerblick und Veranda, einen Sea View Room im Hauptgebäude mit Blick auf Zierteich und Strand und zwei Garden Rooms im Hauptgebäude mit Aussicht auf den Garten. Alle Unterkünfte sind mit Moskitonetzen, Klimaanlagen, heißem und kaltem Wasser, Bad mit WC, Minibar und Safe ausgestattet.

Sonstige Ausstattung: Das Budi Sun Resort hat einen Süßwasserpool mit Reetdach und Poolbar, am wenige Meter vom Resort entfernten Strand stehen Bambus-Sofas. Das Restaurant serviert morgens, mittags und abends original indonesische und europäische Küche und bietet auch vegetarische Gerichte an. Die Lebensmittel stammen größtenteils aus eigener Produktion oder von Bauern aus der Region.

Lage und Anreise: Die Anreise führt von Deutschland aus über Denpasar (Bali) direkt nach Maumere auf der Insel Flores. Dort wird man vom Budi Sun Team am Flughafen abgeholt. Auf der Website gibt es mehr nützliche Informationen zur Anreise und zur Lage des Resorts.

Preise: Beispiele für Preispakete sind auf der Website des Resorts zu finden.

Budi Sun Resort & Social Media: Weitere Informationen zum Budi Sun Resort gibt es bei Facebook und im eigenen YouTube-Kanal.