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Ein Blick durchs Fenster von Xibalbá – Tauchen in den Cavernen Yucatans in Mexiko


Foto: Christian Kannheiser Foto: Christian Kannheiser

In der Kultur der Maya spielen die Cenoten eine sehr wichtige Rolle: Sie sind nicht nur die einzigen Süßwasserquellen, sondern in der Mythologie der Maya auch der Eingang zur Unterwelt Xibalbá. Dort wohnen die Götter. Und dort werden Bedenken zu Faszination, wird das Tauchen zu Magie. Ein Gastbeitrag von Alexander Buëß.

Der Urwald Yucatans und seine Cenoten ziehen fast jeden sehr schnell in ihren Bann. Schon auf dem Weg zur Cenote kann man im Wald einiges entdecken: Mal rennen ein paar wilde Truthähne, Waschbären oder Coatis (Nasenbären) über den Weg, manchmal hört man den unverkennbaren Ruf des Vogels Motmot und sehr, sehr selten sieht auch mal jemand einen Jaguar. So manche Cenote liegt wirklich fernab von allen Zeichen der Zivilisation. Ist man dort alleine, bietet es sich an, kurz innezuhalten und einfach mal dem Urwald zuzuhören. Es ist wundervoll. Die Vögel singen, die Grillen zirpen und in den Baumkronen hört man die Blätter rauschen. Gelegentlich kommt auch eine Gruppe Affen vorbei, aber Vorsicht: Beim Versuch, Fotos zu machen, wird man auch mal gerne mit Stöckchen beworfen. Es ist eben noch ein echter Urwald.

Jede Cenote hat ihren eigenen Charme

Erreicht man eine Cenote, wird einem augenblicklich klar, warum diese Orte den Maya so viel bedeuteten. Man kann die Magie quasi spüren. Die einen Cenoten haben kristallklares, blaues Wasser, andere sind mystisch grün oder teils sogar fast golden. Manche sind richtige Seen, andere nur kleine Löcher mitten im Wald. Aber jede einzelne hat ihren eigenen Charme.

Foto: Christian Kannheiser

Vor dem ersten Eintauchen ist vielen noch mulmig zumute. Bedenken kommen auf. Für ein beunruhigendes Gefühl sorgt insbesondere, nicht zu jedem Moment des Tauchgangs nach oben auftauchen zu können. Nicht, dass man das jemals bei einem klassischen Freiwassertauchgang machen würde, aber man könnte. Und jetzt kann man eben nicht. Die Spannung wird stärker, wir tauchen gemeinsam ab und schauen zum ersten Mal durchs Fenster von Xibalbá.

Bedenken werden zu Faszination

Wir sehen eine Welt, die man von der Oberfläche aus nicht einmal erahnen kann. Bedenken werden zu Faszination. Und das immer wieder aufs Neue, da keine Caverne aussieht wie die andere. Sie sind alle komplett verschieden. Die einen bestehen aus brüchigem Kalkgestein, das durch die chemischen Prozesse im Laufe der Jahrmillionen zu bizarren Formen wurde. Andere aus großen Blöcken, in denen man unzählige größere und kleinere Fossilien des vorzeitlichen Riffes finden kann, aus dem die Yucatan Halbinsel entstand. Wieder andere sind voll mit riesig großen Tropfsteinformationen, andere mit einer Menge an fragilen, kleinen Tropfsteinen dekoriert.

Foto: Christian Kannheiser Foto: Christian Kannheiser

Schauen wir von der anderen Seite des Fensters hinaus in den Dschungel, bemerken wir den Einfall der Sonne. Die Sonnenstrahlen, die durchs Blätterdach des Waldes ins Wasser fallen, tauchen den Randbereich der Caverne in ein gedämpftes Licht. Unwirklich. Mystisch. Und wunderschön. Wir gleiten schwerelos durch einen Vorhang aus Licht.

Foto: Christian Kannheiser Foto: Christian Kannheiser

All das ist ganz anders als das Tauchen im Meer: Keine Strömung, viel weniger Fisch. Keine großen Fische, nur kleine. Aber sie sind nicht wichtig. Es geht um die gesamte Atmosphäre. Den Zauber mitten im Urwald. Die bizarren Formationen, die Dekorationen, die Lichtspiele. Wir bewegen uns sehr langsam, sonst wäre der Tauchgang sehr schnell vorbei und wir möchten die Zeit an diesen wundervollen Orten ausnutzen. Die Langsamkeit gibt uns Zeit, uns umzuschauen und die Magie des Moments auf uns wirken zu lassen. Es ist schon fast meditativ.

Auch Sporttaucher können in Cavernen tauchen

Viele mögen jetzt denken: „Ach ja, das klingt schon schön, aber ich bin eben kein Höhlentaucher und mag auch keiner werden“. Doch glücklicherweise gibt es einen massiven Unterschied zwischen Cavernen- und Höhlentauchen und das Tauchen in Cavernen ist auch für einen Sporttaucher geeignet.

Um als Caverne eingestuft zu sein, muss ein Tauchplatz drei Bedingungen erfüllen:
  1. In weniger als 60 Metern ist eine Aufstiegsmöglichkeit vorhanden.
  2. Es gibt immer zumindest ein klein wenig Tageslichteinfall
  3. Keine Stelle, die durchtaucht wird, ist so schmal, dass zwei Taucher nicht nebeneinander hindurchtauchen können.

Sind alle drei Punkte erfüllt, benötigt der geneigte Sporttaucher nur noch einen passend qualifizierten und sicherheitsbewussten Guide, der in diesem Falle nicht nur Divemaster oder Tauchlehrer sondern auch Höhlentaucher sein muss, und schon kann das Abenteuer mitten im Urwald Mexikos beginnen.

So vielfältig ist das Cavernentauchen in Mexiko

Mehr zum Cavernentauchen und zu Alexander Buëß

Wassertemperatur in den Cavernen: 24°C, aber es fühlt sich kälter an, als es klingt

Wassertiefe in den Cavernen: variiert. Von den tiefen Sinkholes abgesehen, in denen Tauchgänge von 30 bis 40 Metern Maximaltiefe möglich sind, haben die meisten Cavernen eine Maximaltiefe von 6 bis 15 Metern.

Besonderheit des Wassers: Im oberen Bereich ist immer Süßwasser zu finden, je nach Entfernung vom Meer flacher oder tiefer die sogenannte Halocline, also die Trennschicht zum darunterliegenden Salzwasser, meist zwischen 10 und 14 Metern.

Alexander Buëß wurde 1986 in Frankfurt am Main geboren und hat Deutschland vor mehr als drei Jahren verlassen. Seit einem Jahr lebt er in Playa del Carmen, Mexiko, wo er sich der großen Liebe seines Lebens widmet: dem Höhlentauchen. Alexander ist selbständiger Tauchlehrer und bietet Ausbildung für Anfänger und fortgeschrittene Taucher sowie geführte Tauchgänge, insbesondere in den Cavernen und Höhlen der Riviera Maya an. Zudem hat er sich auf das Führen von Tauchgängen für Fotografen spezialisiert. Man erreicht ihn am besten unter dripstone-diving@gmx.net oder über seine Facebook-Seite Dripstonediving. Seine Website: www.dripstone-diving.net

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