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„Ich will direkt an die Kritiker ran“: Michael Feicht im Gespräch über den Buddy-Watcher


Michael Feicht / Free-Linked GmbH Michael Feicht / Free-Linked GmbH

Jeder Tauchgang ist ein Erlebnis. Die Kommunikation unter Wasser bleibt aber eine Herausforderung. Das Vibrationsgerät Buddy-Watcher soll diese nun erleichtern, stößt aber auch auf Kritik. Im Gespräch erläutert der Buddy-Watcher-Erfinder Michael Feicht die Vorteile des Geräts, reagiert auf Kritik und verrät Pläne für die nahe Zukunft.

Sonja Kaute: Wie ist die Idee für den Buddy-Watcher entstanden?

Michael Feicht: Das war am Tauchplatz Cod Hole am Great Barrier Reef in Australien. Dort habe ich trotz idealer Bedingungen und kristallklarer Sicht meinen Buddy „verloren“. Es lag daran, dass ich zu schnell vorneweg getaucht bin. Mein Buddy probierte mich noch zu erwischen und mich zu rufen. Ich habe ihn aber nicht gehört. Als ich bemerkte, dass mein Buddy nicht neben mir ist und ich begonnen habe nach ihm zu suchen bin ich von den 18 erlaubten Metern auf 24 Meter abgesunken. Das war ein erschreckendes Erlebnis und hat bei mir Unwohlsein und ein leichtes Hyperventilieren ausgelöst. Als ich meinen Buddy wiedergefunden hatte, dachte ich nur „Das darf mir nicht mehr passieren. Aber wie kann ich das erreichen?“ Ich habe mich dann auf dem Markt umgesehen und fand das, was es gibt, ist entweder zu teuer oder unhandlich.

Wie funktioniert der Buddy-Watcher denn genau?

Der Buddy-Watcher ist die einfachste Art den Tauchpartner zu rufen. Jeder Taucher im Buddy-Team hat ein Gerät am Arm. Ich kann damit gezielt, aber leise unter Wasser jemanden rufen. Ich mache also gezielt meinen Tauchpartner auf mich aufmerksam, nicht alle anderen Taucher um einen herum gleich mit, wie es bei anderen Signalgebern der Fall ist. Ein Taucher leitet am besten schon über Wasser die Synchronisierung mit dem anderen Gerät ein, der zweite Taucher bestätigt diese auf seinem Gerät und dann kann es losgehen. Sollten mehrere Buddy-Watcher gleichzeitig da sein, stören sie sich nicht gegenseitig – die Synchronisierung findet an Land mit wenigen Zentimetern Abstand statt und nur die synchronisierten Geräte reagieren aufeinander.

Wie lange hält denn eine Akkuladung?

Sechs bis acht Stunden, wenn das Gerät nicht ausgeschaltet ist. Damit sind also sechs bis acht Tauchgänge möglich. Voraussetzung: Man hat die aktuelle Version des Buddy-Watchers. Die Vorgänger-Software hat nur drei bis vier Stunden durchgehalten. Ist das Gerät ausgeschaltet, entlädt es sich nach drei bis vier Tagen automatisch, um den Akku zu schonen. Die meisten Taucher benutzen ihre Ausrüstung nur wenige Wochen im Jahr, dann liegt sie in der Ecke – das schadet dem Akku, weshalb wir eine künstliche Entladung eingebaut haben, um das Gerät langlebiger zu machen. Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen seitens der Taucher – ob wir das ändern, wird sich über die Zeit ergeben.

Die Geräte sind seit November 2014 zu haben. Wie groß ist das Interesse am Buddy-Watcher? Seid ihr mit den Verkaufszahlen zufrieden?

Wir sind realistisch an die Sache herangegangen . Natürlich haben wir einen Businessplan mit ganz konkreten Zielen den wir verfolgen. Und wir haben tolle Investoren ins Boot geholt, die uns mit ihrer Erfahrung helfen. Wir sind ein Start-Up, der Buddy-Watcher ist noch sehr unbekannt. Wir arbeiten daran, die Markenbekanntheit zu steigern und da ist noch viel Marketing nötig. Demnächst werden wir unsere Geräte zum Beispiel in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf VOX präsentieren und erklären. Der genaue Sendetermin steht noch nicht fest. Das Interesse ist riesig, aber viele Taucher können sich das Gerät nicht so richtig vorstellen. Der Innovationsgrad ist sehr hoch. Wir müssen noch überzeugen.

Michael Feicht / Free-Linked GmbH Michael Feicht / Free-Linked GmbH
Ihr hattet bei Facebook dazu aufgerufen, einige Geräte zu testen. Laufen diese Tests bereits? Und wie sind die Rückmeldungen?

Wir haben unzählige Anfragen auf diese Probephase bekommen, viel mehr, als wir bedienen konnten. Der Test war ja erst einmal auf fünf bis zehn Sets begrenzt. Wir wollen das aber immer wieder mal machen und mehr Geräte für Tests zur Verfügung stellen. Die Rückmeldungen sind überwältigend. Wir haben noch kein Gerät zurückbekommen. Entweder laufen die Tests noch oder die Geräte wurden von den Testern bereits gekauft. Und inzwischen testen auch einige B2B-Kunden, also zum Beispiel Tauchbasen, die die Geräte an ihre Kunden weitergeben. Weitere Interessenten ob Privat oder Geschäftlich können sich gerne melden.

Gab es auch Kritik?

Ja, es gibt natürlich auch Kritiker. Taucher, die von vornherein sagen „So einen Scheiß brauche ich nicht.“ Die appellieren dann an die Disziplin: Taucher sollen nach ihrem Partner schauen und sich nicht auf ein Gerät verlassen.

Man kann ja trotzdem weiter auf seinen Buddy schauen, so wie bisher auch. Und den Buddy-Watcher als Zusatz-Service verstehen …

Genau. Der Buddy-Watcher nimmt ja die Verantwortung der Taucher nicht weg, er steigert nur die Sicherheit zum einen aber zum anderen vor allem den Komfort! Es ist immer wieder erstaunlich welches Gesicht bei den Erstnutzern des Buddy-Watcher nach dem Tauchgang zu sehen ist. Gegenwärtig sind wir dabei, allen potentiellen Kunden ebenfalls ein solches Gesicht zu entlocken :-)

Wie geht ihr mit solchen Kritikern um?

Ich selbst bin überzeugt von unserem Produkt, deswegen will ich direkt an diese Kritiker ran. Ich habe mehrere gebeten, das Gerät trotzdem zu testen und uns Feedback zu geben. Und die kommen dann aus dem Wasser mit einem Lächeln und sagen: „Ich will das haben.“ Die Kritiker spucken meiner Erfahrung nach im Nachhinein die besten Töne.

Es hat ja auch Kritik daran gegeben, dass der Buddy-Watcher mit Ultraschallwellen funktioniert. Könnt ihr sicher sagen, dass das Gerät keine Unterwasserlebewesen stört?

Fische werden durch die Geräte nicht gestört. Sie hören in einem menschenähnlichen Frequenzbereich von rund 800 Hertz, vereinzelt bis 5.000 Hertz. Der Buddy-Watcher funktioniert im 60.000-Hertz-Bereich. Die Sendeleistung liegt bei unter einem Watt, das entspricht in etwa einem Flüstern. Das kann Fische nicht stören. Das hat uns auch ein Institut aus UK bestätigt. Jedes Sonar auf Schiffen zur Tiefenmessung hat eine viel größere Leistung als der Buddy-Watcher. Er hat keine Auswirkungen auf die Umwelt.

Wo werden die Geräte denn eigentlich gefertigt?

Der Buddy-Watcher ist nahezu komplett „Made in Germany“. Wir haben keinen Einfluss darauf, wo die elektronischen Komponenten hergestellt werden, aber sie stammen von namhaften Herstellern wie Microchip oder Texas Instruments. Die Montage und Fertigung der Teile findet bei uns im Hause in Pforzheim statt. Unser Team besteht aus fünf bis sieben Leuten, die meisten davon selber Taucher.

Entwickelt ihr den Buddy-Watcher noch weiter?

Aber selbstverständlich entwickeln wir den Buddy-Watcher weiter. Seit Mitte Juli gibt es bereits eine neue Funktion als Softwareupdate, die sogenannten Master Edition. Damit können nicht nur zwei, sondern zum Beispiel auch drei oder fünf Taucher kommunizieren. Folgende Möglichkeiten gibt es in einer Tauchgruppe: Der Dive Guide ruft alle Taucher der Gruppe, innerhalb der Buddy-Teams rufen sich Taucher oder einzelne Taucher rufen den Dive Guide. Ältere Geräte bekommen auf Wunsch ein Software-Update, das wir in unserem Haus durchführen. Die Versandkosten werden dabei von uns übernommen. So verfügen dann auch ältere Geräte über die neuen Funktionen und sind mit den neueren Geräten kompatibel. Mithilfe dieses Softwareupdates hat sich die Akkulaufzeit wesentlich verlängert.

Und was kommt danach?

Für 2016 planen wir ein weiteres Softwareupdate – die Abstandsmessung. Dann gibt es eine Warnung bei der Überschreitung eines zuvor festgelegten Abstands zwischen den Tauchpartnern. Wir haben auch noch mehr Ideen, aber die kann ich noch nicht verraten.

Gibt es sonst noch etwas, dass ihr der Tauch-Community mitgeben möchtet?

Ja. Der Buddy-Watcher ist ein Assistenzsystem! nicht etwa ein Sicherheitssystem. Er erleichtert die Kommunikation und steigert dadurch die Sicherheit, aber er ersetzt nicht die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen. Wenn der Buddy-Watcher nicht funktionieren würde, wäre man ja nicht weniger sicher als bisher.

Mehr Informationen über den Buddy-Watcher und Michael Feicht

Der Buddy-Watcher hat eine Reichweite von rund 20 Metern und hält bis zu einer Tiefe von 40 Metern dicht. Ein Set (2 Stück) kostet knapp 200 Euro, die Master Edition knapp 120 Euro.

Michael Feicht ist 33 Jahre alt, geboren in Polen und kurz vor der Einschulung mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen. Er wuchs auf in Pforzheim, ist studierter Maschinenbau-Ingenieur und wohnt heute in Stuttgart. Er ist Geschäftsführer der Free-Linked GmbH und Erfinder des Buddy-Watchers. Für die Anschub-Finanzierung des Buddy-Watchers hat die Free-Linked GmbH ein Gründerstipendium erhalten. Michael Feicht taucht seit 2006 und hat rund 150 Tauchgänge. Tauchen ist für ihn eine Leidenschaft. Geweckt wurde diese im Moment der Begegnung mit einer Riesenschildkröte bei einem Schnuppertauchgang vor Hawaii.