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7 No-Gos im Tauchsport, die die Sicherheit gefährden


Regeln-Tauchen-iSTock-IgorDutina-3x2 IgorDutina / iStock.com

Vor ein paar Wochen haben wir zum ersten Mal über die No-Gos im Tauchsport berichtet: Verhaltensweisen, mit denen man sich bei Tauchpartnern und Crew garantiert unbeliebt macht. Jetzt machen wir weiter: Mit No-Gos, die die Sicherheit beim Tauchen aufs Spiel setzen.

Man kann sicher nicht alle Dinge aufzählen, die man beim Tauchen auf keinen Fall tun sollte. Manche davon sind offensichtlich, manche wären furchtbar dumm. Aber es gibt auch Dinge, die sind verlockend oder nur auf den zweiten Blick unklug:

1. Weniger atmen, um länger tauchen zu können

Viele Taucher kennen das: Es ist auf den ersten Blick etwas ärgerlich, wenn man in einer Tauchgruppe derjenige ist, der den höchsten Luftverbrauch hat. Wenn die anderen in der Gruppe noch länger im Wasser bleiben könnten, aber alle gemeinsam raus oder zurück zum Startpunkt müssen. Luft anzuhalten beim Tauchen birgt allerdings unter anderem das Risiko eines Barotraumas der Lunge, insbesondere, wenn man beim Auftauchen die Luft anhält. Der Versuch, durch weniger Atmen Luft zu sparen, endet in erhöhter Anstrengung, daraus resultierendem erhöhten Luftverbrauch und Nebenwirkungen wie Kopfweh oder Risiken wie Esoufflement. Da ist es nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer, so viel zu atmen, wie der individuelle Körper es braucht. Der Luftverbrauch wird sich mit zunehmender Erfahrung ohnehin relativieren.

2. Tauchen, obwohl man sich gerade gar nicht danach fühlt

Manchmal findet man sich als Taucher, besonders als noch nicht so erfahrener Taucher, in einer Situation wieder, die einen nervös machen kann. Zum Beispiel vor dem ersten Strömungs- oder Nachttauchgang, mit einem nicht richtig passenden Leihanzug, mit einem Buddy, den man nicht kennt oder einfach, weil man einen schlechten Tag erwischt hat und schlecht in Form oder verkatert ist. Man sollte aber nur dann ins Wasser gehen, wenn man sich mental und körperlich fit fühlt und wenn das Geplante zum Ausbildungsstand sowie der bisherigen Taucherfahrung passt. Wer noch nie in Strömung getaucht ist, sollte hiermit langsam anfangen. Wer noch nie nachts im Meer war, sollte dies mit entsprechender Ruhe und Vorsicht sowie in vertrauensvoller Begleitung und Umgebung tun. Und wenn das Bauchgefühl so gar nicht passt, ist es absolut in Ordnung, einen Tauchgang abzubrechen – vor dem Abtauchen oder auch noch danach. Ein kontrollierter Tauchgangsabbruch ist besser, als wenn sich die Situation in Angst oder Panik steigert.

Lesetipps:

Die 5 wichtigsten Gründe, einen Tauchgang abzubrechen

Stress, Angst, Panik beim Tauchen – So können Taucher kopflosem Handeln vorbeugen

Strömungstauchen: 7 Tipps für richtiges Verhalten

5 Regeln und Tipps: Was man beim Nachttauchen beachten sollte

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3. Tauchen und dann kurz darauf fliegen

Tauchtabellen und Tauchcomputer zeigen eine No-Fly-Zeit an. Diese gilt es einzuhalten. Als Grundregel sollte man im Kopf haben: Wer den Tauchurlaub beendet, sollte zwischen dem letzten Tauchgang und einem Flug mindestens 24 Stunden Zeit vergehen lassen. Andererseits droht ein Tauchunfall, im Flugzeug. Wie viel Zeit tatsächlich verstreichen sollte, hängt natürlich von der Tiefe und Anzahl der Tauchgänge ab, daher gilt es, diese Zeiten dringend zu beachten als kleinste zu verstreichende Zeit.

4. Lebewesen anfassen oder Souvenirs mitnehmen

„Nicht anfassen, nicht mitnehmen“ lautet eine der Regeln im Tauchsport, die nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch für die Sicherheit relevant sein können. Seeigel-Skelette, Schneckengehäuse und Muschelschalen machen sich auch gut auf Fensterbänken, aber sie bieten unter Wasser auch anderen Lebewesen wie Einsiedlerkrebsen, hochgiftigen Schnecken wie Kegelschnecken oder winzigen Seesternen, Schwämmen, Anemonen und Würmern ein zu Hause. Sie sind Teil des marinen Ökosystems und sollten es auch bleiben. Zumal ein giftiges Tier, das man versehentlich mit einem Gehäuse transportiert, gefährlich werden kann. Das Anfassen anderer Lebewesen wie Oktopussen, Fischen und Muränen ist sowieso tabu, dafür gibt es zahlreiche Gründe. Und wer aus Schiffswracks Souvenirs mitnimmt, sogar rechtliche Konsequenzen fürchten.

Lesetipp:

6 Gründe, warum man unter Wasser keine Lebewesen anfassen sollte

5. Jojo-Effekt: Schlecht tariert tauchen

Gerade als Tauchanfänger kann es schwierig sein, immer gut tariert zu tauchen. Umso wichtiger ist es, diese Fähigkeit beherrschen zu lernen. Wer schlecht tariert ist, beschädigt die Riffe, steht permanent unter Unruhe und riskiert mindestens seine eigene Sicherheit. Ich habe selbst schon einen Buddy erlebt, brevetiert als Rescue Diver, aber weder in der Lage, vernünftig abzutauchen, noch sich auf beliebiger Tiefe auch nur halbwegs sicher zu halten. Während des gesamten Tauchgangs verwechselte er immer wieder die Knöpfe am Inflatorschlauch. Dabei war er sich überhaupt nicht bewusst, wie unsicher er war und wie unsicher er den Tauchgang für mich gemacht hat. Eine gute Tarierung ist das A und O für ein sicheres Tauchen. So wie eine realistische und ehrliche Selbsteinschätzung.

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6. Sich von anderen Tauchern unter Druck setzen lassen

Tauchen ist ein Teamsport, ergo gibt es dort auch alles, was mit Gruppendynamik zu tun hat. Zum Beispiel Gruppendruck. Dieser ist meist gar nicht bewusst vorhanden und wird selten böswillig ausgeübt, aber das heißt nicht, dass es ihn nicht gibt. Schon ein „Ach, stell dich nicht so an“ oder ein selbstbewusstes „Ich hab schon viel krassere Sachen gemacht“ kann einen Anfänger unter Druck setzen. Es wäre manchmal schön, wenn Taucher etwas sensibler wären, was solche Äußerungen und damit verbundene Verhaltensweisen angeht. Weil sich so kleine Dinge bei einer Risikosportart hochschaukeln können. Dabei sollte sich jeder Taucher klar sein, dass er selbst verantwortlich ist für das, was er tut und dass er immer auch „Nein“ sagen kann.

Lesetipp:

Gruppendruck im Tauchsport – Ursachen und Beispiele aus der Praxis

7. Auf den Buddy-Check verzichten

Das ist vermutlich der Punkt in dieser Liste, der am häufigsten missachtet wird. Nicht selten wird der Buddy-Check ausgelassen. Weil man den Buddy gut kennt oder gerade, weil man ihn nicht kennt. Oder bisher auch ohne Buddy-Check nichts Schlimmes passiert ist. Fakt ist aber, unterläuft mir ein Fehler beim Zusammenstellen der Ausrüstung, wird er vermutlich beim Buddy-Check bemerkt werden. Das kann den Tauchgang retten. Und wenn ein Buddy-Team unter Wasser in eine Notlage gerät, kann es lebensnotwendig sein, die Ausrüstung und deren Konfiguration beim Partner zu kennen. Das kann dann nicht nur den Tauchgang retten, sondern auch den Taucher.

Lesetipp:

Buddy-Check: Tipps und Tricks für mehr Sicherheit beim Tauchen


 

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