Hauptmenu

Gastbeitrag: Tauchen in den Cenoten – „Es ist, wie durch ein Museum zu tauchen“


marcel-taubert_tauchen_cenoten_mexiko_7

Eine Reise in die Cenoten ist anders als ein Tauchgang im Meer, ganz abgesehen von Tauchgängen in andere, stehende Gewässer. Wer mit der Unterwasserwelt vertraut ist, kennt das Gefühl, eine andere Welt zu betreten. Aber diese Welt ist irgendwie noch einmal anders. Ein Gastbeitrag von Marcel Taubert.

Meine Liebe zum Meer war immer groß und als ich zum ersten Mal von den Cenoten gehört hatte, fand ich den Hintergrund zwar spannend, die Sehnsucht nach den Tiefen des Meeres war aber sofort präsent. Von Playa del Carmen in Mexiko aus sind die meisten Cenoten schnell mit dem Auto zu erreichen. Aber von dem, was einen tatsächlich erwartet, wenn man den Highway verlässt, ist auf dem Weg dorthin noch keine Spur. Auch vom allgegenwärtigen Dschungel spürt man bedenklich wenig.

Wir verlassen die Schnellstraße und biegen auf einen steinigen Weg ab, der uns zu meiner ersten Cenote führt. Auf einmal ist der Dschungel überall. Ich habe schon fast vergessen, wo wir hergekommen waren und wir sind erst wenige Minuten unterwegs. Der Zugang ist holprig, aber ich finde, das passt. Irgendwie wünsche ich mir, einen Jaguar zu sehen, was zwar nicht unmöglich, aber dennoch eher unwahrscheinlich wäre.

Kurze Zeit später lichtet sich der Urwald und wir haben unser Ziel erreicht. Ein paar Autos sind schon da, Taucher, die sich auf ihre jeweiligen Tauchgänge vorbereiten und einige Hunde, die uns freudig begrüßen. Es ist wunderschön. Die Atmosphäre ist mystisch, aber nicht auf eine angsteinflößende Art. Mir wird klar, warum diese Orte für die Maya so heilig waren. Und jetzt weiß ich auch, wieso sie es Wasserloch“ nennen.

Sandsteinfarbene Stufen geleiten uns den Weg hinab bis zum Einstieg. Das Wasser ist klar und blau. Auf der Wasseroberfläche schwimmen vereinzelt Seerosen. Es wirkt tatsächlich, wie der Eingang zur Unterwelt. Wir bereiten unser Equipment vor, es gibt ein ausführliches Briefing und dann geht es auch schon los.

marcel-taubert_tauchen_cenoten_mexiko_9

Pforte zur Unterwelt

Unter Wasser wird es mit zunehmender Tiefe geheimnisvoller. Überall sind Felsen und von der Decke hängen tropfenförmige Stalaktiten. In einigen Felsen finden sich Fossilien, die circa 65 Millionen Jahren alt sein müssen. Es ist wie durch ein Museum zu tauchen, nur befinden wir uns eben immer noch unter Wasser. Es ist still und wir behalten unsere Gedanken und Gefühle erst einmal für uns. Es gibt unzählige Wege, einer wirkt einladender als der andere. Irgendwo ist immer ein Lichtstrahl zu sehen, der die Grotte primär von einer Höhle unterscheidet.

Licht zu visualisieren ist immer beeindruckend. Jeder kennt diesen kurzen Moment des Innehaltens, wenn irgendwo ein Regenbogen erscheint. Das Licht in den Cenoten ist konstant, getragen nur von dem Stand der Sonne. Ich blicke hoch zur Wasseroberfläche auf die einzelnen Lichtstrahlen, die alles in ein hell leuchtendes Blau tauchen. Ich könnte ewig dort verweilen.

Der erste Taucher meldet sich, nachdem 1/3 seines Tanks verbraucht ist und das holt mich ein Stück weit auf den Boden der Tatsachen zurück. Unsere Luft unter Wasser ist limitiert und wir wollen natürlich auch immer gut in den Grenzen unseres Tauchcomputers bleiben. Also begeben wir uns langsam zum Ausgang der Grotte.

Wie eine Zeitreise

marcel-taubert_tauchen_cenoten_mexiko_8

Oben angekommen ist es, als wäre ich aus einem Traum erwacht. Alles scheint so surreal. Wie diese Welt parallel zu unserer existiert und sich nur durch die Wasseroberfläche von dem trennt, was wir kennen. Es ist wie eine Zeitreise. Ich bemerke, wie ich mehr über die Maya wissen will und ihre Götter. Schließlich sind die Cenoten ein mehr oder weniger frei zugänglicher Teil ihrer Geschichte, der nach wie vor in voller Pracht besteht. Bis heute schließen die meisten Cenoten kurz vor 17 Uhr, weil der Legende nach immer um diese Zeit die Alux dort ihr Unwesen trieben. Es heißt, die Geister des Lichts huschten jeden Abend durch die Cenoten und löschten jedes Licht.

Meine Reise ist hier zu Ende. Während wir unser Equipment und die Tanks wieder auf den Truck packen, stelle ich mir vor, wie die Tiere des Dschungels bald hervorkommen und sich der einzigen Frischwasserquelle der Umgebung bedienen. Wir machen uns auf den Heimweg. Ich bin wehmütig gestimmt, erfüllt mit Glück und Sehnsucht zugleich. Ich kann es kaum erwarten, die vielen verschiedenen Cenoten zu erkunden und mich von ihnen einhüllen zu lassen in einer Welt, die einmal war und irgendwie immer noch ist.

 

Weitere Informationen und Beiträge zum Thema

Über Marcel Taubert: Marcel Taubert wurde am 26. März 1988 in Deutschland geboren und lebt seit 2013 in Playa del Carmen, Mexiko. Er ist passionierter Tauchlehrer und Höhlenguide. Es ist seine Leidenschaft, anderen Menschen die interessantesten Seiten des Tauchsports zu vermitteln. Er bietet Back- und Sidemount-Tauchen an und vermittelt auch das dazugehörige Wissen.

Tauchen mit Marcel Taubert: Wer mit Marcel tauchen möchte, meldet sich am besten per E-Mail unter marcel@deepdivemexico.com, über seine Website oder die Facebook-Seite von Marcel. Nitrox gibt’s kostenlos, Abholung vom Hotel gegen eine kleine Gebühr.

Tauchen in den Cenoten: Die Wassertemperatur in den Cenoten beträgt rund 24 Grad Celsius. In den meisten Grottentauchgängen erreicht man eine maximale Tiefe von 6 bis 14 Metern. Die maximale Tiefe in den Sinkholes (zum Beispiel „Angelita“) beträgt 30 Meter. In den flacheren Grotten trifft man auf Süßwasser. Durch die kappilarische Wirkung des Meeres findet man in den tieferen Grotten (ab 14 Metern) eine Trennschicht zum Salzwasser, genannt „Halocline“. Marcel dazu: „Das muss man erlebt haben.“

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:

Alle Bilder: Marcel Taubert