Hauptmenu

Tauchen und Schnorcheln in Schottland: Seehunde, Riesenhaie und Schiffswracks


grafxart8888 / iStock.com grafxart8888 / iStock.com

Schottland steht für die meisten Taucher vermutlich nicht gerade oben auf der Liste der Traumziele. Trotzdem hat Schottland so einiges zu bieten, sei es für Schnorchler, Sport- oder Tec-Taucher. Hier tummeln sich saisonal Riesenhaie, kann man mit Seehunden schnorcheln oder einen der aufregendsten Wrack-Tauchplätze überhaupt erkunden: Scapa Flow.

Das Wort Schottland lässt viele Taucher kalt, bei Scapa Flow allerdings fangen viele Taucheraugen an zu blitzen. Denn die rund zehn mal 15 Kilometer große Bucht bei den Orkney Inseln im Norden Schottlands gilt als einer der Top-Tauchplätze weltweit, mindestens aber Europas.

Scapa Flow fasziniert allerdings nicht nur Taucher, was vor allem an der bewegten Geschichte der Bucht liegt. Die britische Marine hatte hier sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg ihren Hauptstützpunkt. Deshalb drangen in beiden Weltkriegen deutsche U-Boote in die Bucht ein.

Scapa Flow im Ersten und Zweiten Weltkrieg

74 Schiffe der deutschen Kaiserlichen Hochseeflotte wurden hier im Jahr 1919 interniert. Es herrschte Waffenstillstand. Doch Admiral Ludwig von Reuter gab am 21. Juni den Befehl zur Selbstversenkung der Flotte, weil er vermutete, dass die deutsche Regierung den Friedensvertrag von Versaille nicht annehmen würde. Dann hätte wieder Kriegszustand geherrscht, die Flotte hätte den Briten in die Hände fallen können. Damit brach Reuter die Bedingungen für den Waffenstillstand und wurde mit seinen Seeleuten in Kriegsgefangenschaft genommen.

Die SMS Seydlitz und weitere Kriegsschiffe auf dem Weg nach Scapa Flow im Jahr 1918. (Foto: Wikimedia, Public Domain) Die SMS Seydlitz und weitere Kriegsschiffe auf dem Weg nach Scapa Flow im Jahr 1918. (Foto: Wikimedia, Public Domain)

59 deutsche Schiffe versanken. Dabei kamen auch Menschen ums Leben. Der Großteil der Wracks wurde in den zwanziger Jahren geborgen und verschrottet, allerdings liegen sieben Schiffe auch heute noch am Meeresgrund.

Aufbau der SMS Hindenburg kurz vor dem vollständigen Versinken im Jahr 1919. (Foto: Wikimedia, Public Domain) Aufbau der SMS Hindenburg kurz vor dem vollständigen Versinken im Jahr 1919. (Foto: Wikimedia, Public Domain)

Im Zweiten Weltkrieg drang das deutsche U-Boot U 47 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Günther Prien in die Bucht von Scapa Flow ein und versank das britische Schlachtschiff HMS Royal Oka mit der über 800 Mann starken Besatzung. Das U-Boot entkam, Prien sowie die Bucht wurden ab 1939 Teil der NS-Propaganda. Die Briten hingegen verstärkten die Abwehrmaßnahmen in der Bucht und ersetzen die Blockschiffe (versenkte Schiffe, die den Weg für U-Boote versperren sollten) durch feste Barrieren.

Wracktauchen in der Bucht von Scapa Flow

Einige der Wracks in Scapa Flow – darunter neben den riesigen Kriegsschiffen auch Blockschiffe am Rande der Bucht – sind für Sporttaucher geeignet, doch die Bedingungen ziehen vor allem erfahrene Tec-Taucher an und für Anfänger ist das Gebiet eher nicht empfehlenswert. Das Wasser ist kalt (man muss mit 9 bis 14 Grad Wassertemperatur und schlechtem Wetter über Wasser rechnen), die Wracks liegen teils tief auf dem Meeresgrund, die Sicht ist eher schlecht, an einigen Tauchplätzen benötigt man auch außerhalb der Wracks eine Lampe und im Randgebiet der Bucht kann es durch die Gezeiten zu starken Strömungen kommen. Außerdem ist die Orientierung an den Wracks schwierig: Wer Sediment aufwirbelt, findet sich im Dunkeln wieder und ein freier Aufstieg ohne Leine würde bedeuten, weit abgetrieben zu werden.

An zwei Wracks, der schon erwähnten HMS Royal Oak und der HMS Vanguard, ist das Tauchen gänzlich verboten. Sie sanken im Ersten beziehungsweise Zweiten Weltkrieg zusammen mit 1.600 Männern und gelten daher als geschützte Kriegsgräber.

Sieben Hochseeschiffe der Kaiserlichen Flotte aus dem Ersten Weltkrieg liegen versunken auf bis zu 45 Metern Tiefe in der Bucht: die Schiffe Dresden, Cöln, Karlsruhe, Brummer, Kronprinz Wilhelm, Markgraf und König. Einen Ort, wo so viele Wracks wie in Scapa Flow auf engem Raum auf dem Meeresgrund liegen, gibt es kaum ein zweites Mal. Die Schiffe zählten zu ihrer Zeit zu den größten der Welt, messen bis zu 200 Meter. Alle sieben Wracks sind seit 1995 geschützte Denkmäler. Tauchen an ihnen ist erlaubt, doch die Mitnahme von Artefakten steht unter Strafe.

Tauchanbieter für Scapa Flow

Wer in Scapa Flow tauchen möchte, hat die Qual der Wahl: Diverse Anbieter haben sich auf Tauchausflüge in die Bucht spezialisiert. Einige von ihnen fahren zusätzlich etwas entferntere Tauchplätze oder die versunkenen Blockschiffe an. Tagestouren werden ebenso angeboten wie kleine Safaris. Entsprechend der Bedingungen bieten die meisten Anbieter Nitrox und Trimix an.

In Stromness, der zweitgrößten Stadt des Orkney-Archipels auf der Insel Mainland, gibt es neben einer Druckkammer zwei Tauchbasen, die unter anderem Anfängerkurse anbieten. Auf der offiziellen Website von Scapa Flow gibt es viele Informationen zu den einzelnen Wracks und der geschichtlichen Hintergründe, inklusive einer Anbieterliste und Tauchregeln an den Wracks zum Herunterladen.

Schnorcheln mit Seehunden und Riesenhaien

Schottlang hat für Taucher und Schnorchler allerdings weit mehr zu bieten als Wracks, denn hier gibt es je nach Saison unter anderem Finnwale, Delfine, Orcas, Seehunde und Riesenhaie zu bestaunen.

Einer der lokalen Anbieter für ein- und mehrtägige Schnorchel- und Tauchtouren an der Westküste Schottlands ist Basking Shark Scotland. Das Team hat sich spezialisiert auf Ausflüge zu den Seehund-Kolonien und Schnorcheltouren mit Riesenhaien, die im Sommer hundertfach vor der Küste auftauchen, weil sie das Plankton fressen.

Schnorcheln_Schottland_Riesenhaie_Seehunde_Basking-Shark_(1)

Mit Booten, die rund 10 bis 15 Gäste aufnehmen können, geht es bei der eintägigen Seehund-Tour von der Hafenstadt Oban aus durch den Sound of Mull und nach einem kurzen Zwischenstopp im Städtchen Tobermory (siehe Foto) auf der Insel Mull weiter zu einer Lagune vor der Insel Coll.

Schnorcheln_Schottland_Riesenhaie_Seehunde_Basking-Shark_(2)-16x9

Die Bootsfahrt dauert rund drei Stunden und wenn man Glück hat, kann man hier neben Seevögeln und -adlern mit drei Metern Spannweite schon einige der zuvor genannten Meeres-Highlights erleben. Auf der Facebook-Seite von Basking Shark Scotland gibt es dafür eine Menge Beweise, zum Beispiel springende Riesenhaie und Orcas.

Kelp, Krabben und Quallen

In der Lagune erinnert gar nichts mehr an Schottland – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Das Wasser leuchtet blau, die Schnorchelpause verbringt man an einem weißen Mini-Sandstrand. Zwei Seehundarten leben auf den Felsen, die aus dem Wasser ragen: Kegelrobben und das, was die Schotten „Harbour Seal“ (wohl Gemeiner Seehund) nennen. Die einen sind eher scheu, die anderen neugierig.

Schnorcheln_Schottland_Riesenhaie_Seehunde_Basking-Shark_(6)-16x9

Es dauert nicht lange, bis die Tiere die Schnorchelgruppe entdecken und mehr oder weniger zutraulich begutachten. Immer wieder lugen ihre knopfaugigen Köpfe aus dem Wasser, tauchen dann wieder ab. Das ist, selbst wenn man wie wir nur wenige Tiere zu Gesicht bekommt, ein schönes Erlebnis. Und wenn sich gerade keine Seehunde blicken lassen, kann man im sich wiegenden Kelp krabbelnde Krabben, Fischschwärme und zuckende Quallen entdecken.

Riesenhaie – die zweitgrößten Fische der Welt

Der Höhepunkt eines Ausflugs mit Basking Shark Scotland ist aber natürlich die Begegnung mit einem Riesenhai, dem mit bis zu zehn Metern Köperlänge zweitgrößten Fisch der Erde. Unglaublich, dass diese Tiere nicht nur ruhig durchs Wasser gleiten, sondern auch springen können! Wer die Tiere erleben möchte, sollte zur Hochsaison zwischen Juni und August vor Ort sein und die Tour weit (mehrere Monate) im Voraus buchen, denn die Ausflüge sind gefragt. Nicht selten kann man hier gleich mehrere – oder Dutzende – Riesenhaie auf einmal sehen. Auch das beweisen die Videos und Facebook-Posts von Basking Shark Scotland.

Die Crew ist mit Herzblut bei der Sache und teilt ihr Wissen über die Fauna des Meeres gerne mit den Gästen. Neoprenanzüge und Tauchausrüstung kann man vor der Tour mitbuchen. Nichttaucher und -schnorchler sind auf den Booten willkommen.

Die Touren sind allerdings nicht ganz billig: Ohne Ausrüstung kostet die rund neunstündige Seal and Lagoon Tour 150 Pfund, also rund 175 Euro. Die eintägige Riesenhai-Tour kostet 180 Pfund, rund 210 Euro. Wer nur mitfährt und die Tiere vom Boot aus beobachten möchte, zahlt entsprechend weniger. Gezahlt wird im Voraus bei der Buchung. Eine Rückerstattung im Falle des Nichterscheinens ist nicht vorgesehen (außer es wird ein anderer Gast den Platz besetzen).

Basking Shark Scotland bietet zudem auch Touren an Land, Seevögel-Touren und Reisen nach Island (unter anderem Silfra) und Norwegen (Schnorcheln mit Orcas) an. Was die Crew über diese Touren zu erzählen hat, weckt Taucher-Sehnsüchte.


Warst Du schon in Schottland tauchen?

Wo lohnt es sich noch, ins kalte schottische Wasser zu steigen? Wir freuen uns über Tipps auf unserer Facebook-Seite!