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Spektakuläres Tauchen im Sudan: auf Safari mit der Seawolf Dominator


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Vor wenigen Wochen war Michael Krengel mit der Seawolf Dominator auf „Best of“-Safari im Sudan. Seine Schilderungen von unvergesslichen Begegnungen mit Delfinen, Haien und einem riesigen Barrakuda-Schwarm, vom Tauchen auf den Spuren von Hans Hass und Jaques Cousteau und vom Tauchen im Wrack Umbria machen wahrlich Lust auf den Sudan.


„Bist Du bekloppt?“ waren die Worte meiner Mutter, als sie erfahren hat, dass ich in den Sudan fliege. „Da ist doch Krieg…“, sagte sie. Ich zuckte mit den Schultern und dachte bei mir: „Am Frankfurter Hauptbahnhof ist es sicherlich gefährlicher…“. „Mama, da wo ich hinfahre gibt es nur einen Hafen und Wasser. Mir wird sicher nichts passieren. Ich verspreche Dir, ich melde mich, sobald ich da angekommen bin.“ Bis dahin wusste ich nicht, dass es durchaus ein Problem mit der Kommunikation sein kann, wenn man sich durch seinen örtlichen Netzbetreiber nicht vorher freischalten lässt.

Um es vorweg zu nehmen: Dort, wo ich war, gibt es keinerlei Spuren von Krieg. Im Gegenteil. Port Sudan ist eine sehr saubere und aufgeräumte Stadt mit unglaublich aufgeschlossenen Menschen.
Gesagt, getan. Umgeschaut, wer Reisen in der Region anbietet und schnell fündig geworden. Die Firma Seawolf Diving hat drei Boote. Zwei davon in Ägypten stationiert und das größte haben sie aktuell in den Sudan verlegt. Die MY Seawolf Dominator ist ein 36 Meter langes und 8,5 Meter breites Schiff, das 2007 extra für Taucher gebaut und 2016 komplett renoviert wurde. Auf dem Boot gibt es neun Doppelkabinen und drei große Kabinen mit insgesamt Platz für 24 Taucher.

Vorbereitung und Anreise über Kairo

Nitrox wird im Sudan gegen Aufpreis angeboten. Ich habe mir für längere und tiefere Tauchgänge gleich einen 15 Liter Stahltank ebenfalls gegen Aufpreis aufs Boot schaffen lassen. Nach einem Anruf bei Seawolf Diving ging alles ganz schnell. Helga (die gute Seele im Office) hat mir noch am gleichen Tag passende Flüge rausgesucht und nach Absprache entsprechend gebucht. Der Flug ging für mich von Frankfurt am Main nach Kairo (Lufthansa) und von da aus nach Port Sudan (Nile Air).

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Start war Montag um 10 Uhr von Frankfurt aus, mit Landung pünktlich um 14 Uhr in Kairo. Direkt am Gate wurde ich von einem sehr netten Mitarbeiter der Seawolf Company abgefangen. Er hat mein Gepäck vom Band abgeholt und mich ins andere Terminal in den Transitbereich gebracht. Bemerkenswert war, dass ich an ausnahmslos jeder Sicherheitskontrolle meinen Alukoffer (Handgepäck) aufmachen musste und dem Kontrolleur mein gesamtes GoPro Equipment erklären musste. Nach der Schere im Koffer hat aber keiner gefragt.

Nach einer Stärkung ging es dann um 18.40 Uhr weiter nach Port Sudan. Nach knapp zweieinhalb Stunden landeten wir auch dort pünktlich. Hier ist die Zeit eine Stunde zu Deutschland voraus. Am „Kofferband“ hat es dann einiges gedauert. Das lag wahrscheinlich daran, dass peinlichst genau die ankommenden Koffer untersucht worden sind. Das Einführen von Alkohol zum Beispiel ist streng verboten und zieht jede Menge Wartezeit auf sich, wenn man erwischt wird. Jeder „verdächtige“ Koffer kam vom Band deutlich gekennzeichnet mit einem fetten Kreidekreuz auf dem Koffer.

Mit dem Zodiac aufs Boot

Das Visum (115 $) wurde ebenfalls durch Helga organisiert. Vom Flughafen ging es direkt mit einem klimatisierten Bus zum Hafen von Port Sudan. Dort angekommen wurde die Reisegruppe mit dem Zodiak direkt aufs Boot gefahren. Nicht mehr ganz frisch wurden wir mit einem kalten Getränk empfangen und wir wurden auf die Kabinen verteilt. Die Kabine ist recht geräumig und für zwei Personen ausgelegt. Ein großer Schrank und ein eigenes Badezimmer mit separater Dusche – ein Traum. Auspacken, Licht aus, am nächsten Morgen legen wir früh ab.

Tauchtag 1: Sanganeb Nord West und Shaab Ambar

Die Überfahrt zum ersten Tauchplatz war in der Tat sehr anspruchsvoll. Es war entsprechend windig und somit wellig. Angekommen am Sanganeb Nord West machten wir unseren ersten Check-Dive. Angenehme 27 Grad und gute Sichtweiten erwarteten uns dort. Zu unserer Überraschung hatte ich an diesem Tauchplatz meinen ersten Manta mit einer stattlichen Größe. Was für ein Auftakt!

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Der zweite Tauchgang führte uns zum Shaab Ambar. Hier ließ sich erahnen, welche Fischsuppen uns noch erwarten würden. Ein sehr schönes Plateau zum gemütlichen Eintauchen. Der erste Nachttauchgang stand ebenfalls an. Auch hier am Shaab Ambar Lagoon gab es einiges zu sehen: Rochen, Putzergarnelen, spanische Tänzerinnen, eben die üblichen Verdächtigen, nur irgendwie mehr davon als in Ägypten.

Tauchtag 2: Delfine bei Shaab Ambar Süd

Der zweite Tauchtag führte uns zum Tauchplatz Shaab Ambar Süd. Gleich der erste Tauchgang eröffnete uns den Blick auf einige schlafende Weißspitzenriffhaie, die am Grund lagen. Leider haben sie uns direkt bemerkt und sind von dannen gezogen. Auffällig viele Büffelkopf Papageienfische in ordentlicher Größe begutachteten uns bei der Erkundung des Plateaus, immer mit Blick ins tiefe Blau, um Hammerhaie zu entdecken. Zum Glück tauche ich Nitrox, um so die Grundzeit schön ausreizen zu können. 40 Meter sind hier keine Seltenheit, um Haie zu sichten. Mein Logbuch zeigte 400 nach diesem Tauchgang an. Eine verdammt teure Runde am Abend.

Während des zweiten Tauchgangs wieder Weißspitzenriffhaie in leider großem Respektabstand zu uns und keine Hammerhaie. Dafür aber unglaublich große Schwärme gelbe Schnapper. Auch stattliche Napoleons waren recht zutraulich.

Unser Ankerplatz war auch aufgrund der Lagune ein Schlafplatz für sehr große Delfinschulen. Dies bewiesen sie uns, indem sie immer wieder nah an unser Boot kamen. Spontan lud Ahmed mich und Timo ein, eine Runde mit dem Zodiac zu drehen und die Delfine zu beobachten. Wir konnten sie circa 30 Minuten vom Zodiac aus beobachten und unzählig viele von ihnen spielten mit uns, sprangen aus dem Wasser und drehten ihre Schrauben. Ich kam gar nicht mehr aus dem Grinsen heraus und machte dabei echt spektakuläre Aufnahmen. Als Bernd aus dem zweiten Zodiac ins Wasser gesprungen ist, um mit ihnen zu spielen, sind alle weggetaucht. Direkten Kontakt scheuen sie dann doch. Ein Zeichen mehr, wie unberührt und touristisch unerschlossen die Region ist.
Danke Ahmed für diese unvergesslichen Minuten.

Den anstehenden Nachttauchgang an Shaab Ambar Lagoon habe ich ausgesetzt und den unglaublichen Sonnenuntergang am Oberdeck mit einem schönen, leckeren ägyptischen Kaltgetränk genossen.

Tauchtag 3: Hammerhaie bei Shaab Jumna und Sanganeb Süd

Shaab Jumna: der Spot für Hammerhaie. Sehr lange im tiefen Blau geblieben. Maximaltiefe 40 Meter. Lediglich vier „Späher“ haben sich kurz gezeigt. Aber sicher nochmals 30 Meter tiefer. Aber eine schöne Tarier-Übung. Beim Austauchen wurden wir mit einem extrem großen Schwarm von Makrelen entschädigt. Ein beeindruckender Anblick.

Shaab Jumna, der zweite Versuch. Angeblich sind im Sudan die Hammerheads Langschläfer. Also ab ins Gummi und runter. Als ich bei 40 Metern wieder auf meine Grundzeit schaute, war ich extrem froh, die Entscheidung getroffen zu haben, Nitrox zu tauchen. Leider hatten wir auch bei diesem Tauchgang keine Hammerhaisichtung. Dafür hat sich aber ein Grauhai die Blubberblasen angeschaut. Auch einige ordentlich große Thunfische kreuzten unseren Weg. Auch hier endete der Tauchgang nach 90 Minuten mit Setzen der Sicherheitsboje und Abholung durch unser Wassertaxi.

Die Crew setzte die Seawolf Dominator um an das Riff Sanganeb Süd. Dort machten wir einen wirklich traumhaften Tauchgang an einem wunderschönen Plateau. Die Sicht war auffallend schlecht, aber an diesem Tauchplatz habe ich so viel Fisch gesehen, wie sonst nirgendwo im Roten Meer. Barrakudas, Schnapper, Drücker, halt alles, was das rote Meer so zu bieten hat. Sogar den berühmten Langnasenbüschelbarsch haben wir nicht übersehen können. Für mich einer der schönsten Tauchgänge bis jetzt.

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Am Abend nutzten wir die Gelegenheit und sind mit dem Schlauchboot zu dem 50 Meter hohen Leuchtturm übergesetzt. 268 Stufen und eine sehr steile Leiter am Ende erfordern schon ein bisschen Kondition. Aber der Anblick, wenn man aus dem Turm aussteigt, raubt einem den Atem. Erst hier kann man erfassen, wie groß dieses unter Naturschutz gestellte Riff eigentlich ist. Kurz wünscht man sich hier Leuchtturmwärter zu sein. Aber das verwirft man schnell wieder. Zum Andenken schnell noch ein Shirt gekauft und dann zurück an Bord. Timo ließ es sich nicht nehmen und verabschiedete sich mit einer ordentlichen Arschbombe direkt neben dem Zodiak. Geile Aktion!

Tauchtag 4: Barrakudas vorm Frühstück und Précontinent II

Kurzfristig entschieden wir als Gäste am Riff Sanganeb Süd noch zwei Tauchgänge zu machen, da wir alle den Tauchplatz so beeindruckend fanden. Beim ersten Tauchgang sahen wir an diesem wunderschönen Plateau einen schönen Schwarm von Barrakudas. Einige von ihnen ließen sich an einer Putzerstation die Zähe in den ersten Sonnenstrahlen putzen. Die ganze Fläche wuselte nur so von Fischen. Mein Buddy und ich ließen uns an einer Sandfläche nieder und beobachteten das bunte Treiben um uns, während der Rest der Gruppe sich ein Stück ins Blauwasser treiben ließ. Es ist schon beeindruckend, sich von Barrakudas umkreisen zu lassen. Nach 60 Minuten ging es wieder hoch an die Oberfläche zum Frühstück.

Der Einstieg beim nächsten Tauchgang war ein bisschen spektakulärer, da wir hier versucht haben am Drop-Off den Haien ein wenig näher zu kommen. Also setzte die Dominator um und wir sind direkt während der Fahrt aufgrund der Strömung hinten von der Plattform wie Lemminge ins Wasser gehüpft und gleich abgetaucht. Leider haben wir wieder kein Glück gehabt. Dafür gab es eine wunderschöne Steilwand. Besonders beeindruckend waren wirklich große Wolken von einem Millimeter großen Minifischen direkt am Riff. Auch ein Drücker hat uns argwöhnisch beobachtet und fand es wohl gar nicht cool, dass wir sein Revier kreuzten. Aber er blieb friedlich.

Précontinent II war unser nächstes Ziel. Das Projekt von Jaques Cousteau von 1963. Hier hat er mit wissenschaftlich-medizinischen Tests in circa zehn Metern Wassertiefe mit seiner Crew unter Wasser gelebt und die Unterwasserwelt erforscht. Die Überreste der Kuppel sind noch sehr gut erhalten und betauchbar. In der Kuppel ist eine Luftblase. Wenn Taucher innen sind und laut Lachen ist es draußen deutlich zu hören. Es gab Gerüchten nach sogar irgendwann Taucher, die sich in der Kuppel wie damals ein Bierchen und eine Zigarette gegönnt haben. Die Kuppel selber ist Heim von Millionen Glasfischen geworden. Ein tolles Fotomotiv.

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Außerhalb der Kuppel ist noch die Garage für die damaligen Scooter direkt nebenan zu finden. Das Plateau selber ist eine Mischung aus Sandboden und schönen Korallen. Eine sehr zutrauliche (heute glaub ich halb blinde) Schildkröte kreuzte unseren Weg und schwamm mich glatt über den Haufen.

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Blaupunktrochen und ein pechschwarzer Feuerfisch mit silbernen Punkten konnte sich meiner Kamera auch nicht entziehen. Ein sehr relaxter Tauchgang. Der Rest der Truppe machte noch einen Nachttauchgang hier an der Précontinent II. Ich entschied mich für ein Kaltgetränk und entsättigte ein wenig.

Nach dem Tauchen haben wir gemeinsam mit der Crew zu Abend gegessen. Das war sehr schön, mit den sonst fast unsichtbaren Mitarbeitern gemeinsam das Brot zu teilen. Anschließend wurden wir eingeladen mit ihnen auf dem Oberdeck bei einheimischer Musik Schischa zu rauchen und traditionell zubereiteten Kaffee mit Ingwer zu trinken. Musik, tanzen, lachen… All das rundete diesen sehr schönen Abend ab. Irgendwann fiel ich erschöpft in meine Koje und träumte von den Abenteuern von Jaques.

Tauchtag 5: Shaab Rumi Süd

Schöne große Grauhaie patrouillierten an der Riffkante und bewiesen, mit welch Eleganz man Kreise ziehen kann. Allerdings hielten sie einen magischen Respektabstand ein, so dass Nahaufnahmen leider nicht möglich waren. Dafür waren die Dickkopf Papageienfische und die Napoleons in stattlicher Größe umso neugieriger. Plötzlich und unerwartet baute sich vor uns eine Wand aus silber schimmernden Körpern auf. Barrakudas – in einer so großen Gruppe, wie ich es noch nie gesehen habe. Kaum ein Tier war unter 75 Zentimeter lang. Grob geschätzt waren es sicher 500 bis 750 Tiere. In aller Seelenruhe zogen sie einen großen Kreis um uns herum. Mich hat es magisch angezogen und ich bin mit meiner Cam mitten in ihren Weg geschwommen. Ein wirklich beeindruckendes Gefühl, hunderte Barrakudas oben, unten, links und rechts an einem vorbei ziehen zu lassen. Auf zum Sicherheitsstop. Im Fünf-Meter-Bereich bekommen wir grad noch Besuch von einem erstaunlich großen Igelfisch. Irgendwie ist hier alles mehr und größer als in Ägypten.

Nach dem Frühstück nochmal runter auf 40 Meter. Wir geben die Suche nach den Hammerhaien nicht auf. Aber auch dieses Mal Fehlanzeige. Die Grauhaie waren wieder da und auch die schier unglaubliche Masse an Barrakudas. Hier habe ich nochmal die Chance wahrgenommen und bin mitten in den Schwarm rein, um ein paar gute Aufnahmen zu machen. Die Tiere waren sichtlich unbeeindruckt von mir. Ein ordentlicher Napoleon und ein echt großer Zackenbarsch tummelten sich um mich herum. Auch hier ging nach 65 Minuten ein nachhaltig beeindruckender Tauchgang zu Ende.

Die Seawolf Dominator legte ab und nahm Kurs Richtung Port Sudan.

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Next Stop Wrack der Umbria am Wingate Reef.

Ich machte hier meinen ersten Nachttauchgang an einem Wrack. Hinein ins Neopren, Lampe gecheckt und reingehüpft. Ein kalter Schauer glitt mir über den Rücken. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen des Anblicks, der sich mir im Licht meiner Lampe bot. Ein wunderbares Wrack, dass circa 75 Grad auf der linken Seite liegt. Der am 9. Juni 1940 gesunkene italienische Kriegsfrachter liegt bei ganz stiller See still vor uns und wir tauchen vom Heck bis zum Bug. 155 Meter lang ist der Kahn. Das Wrack beginnt fünf Meter unter der Oberfläche, die tiefste Stelle liegt bei 38 Metern. Nach 45 Minuten mussten wir leider schon wieder raus und ich konnte den nächsten Morgen kaum erwarten, das Wrack in seiner ganzen Größe zu erfassen und natürlich die Laderäume und den Maschinenraum zu erkunden. Nach ein paar Getränken und einem fürstlichen Abendessen bin ich fast in einem der teuflisch bequemen Sitzsäcke eingeschlafen. Also ab in die Koje.

Tauchtag 6: Die Umbria in ganzer Größe

Morgentau lag auf dem Boot. Die ersten Sonnenstrahlen krochen empor. Ab ins Wasser. 1948 war Hans Haas schon hier und tauchte trotz Tauchverbots an gleicher Stelle ab. Und da lag sie vor uns – in voller Pracht. Wir waren die ersten am Wrack. Was ein Anblick! Die Sonnenstrahlen spielten mit der Reeling. Unzählige Fische wuselten um das Heck der Umbria. Eine sehr große Schraube war kurz über dem sandigen Boden zu erkennen. Unser Ziel: der Maschinenraum. Den Einstieg finden war gar nicht so einfach. Durch die oberen Lüftungsluken ging es in das obere Deck. Schon hier kann man bis zum Rumpf schauen. Also ging es über das Oberdeck, zum Zwischendeck bis hinunter zum Maschinenraum. Beeindruckend zu sehen. Als wenn gleich der Maschinist um die Ecke kommt und den Kessel wieder anheizt.

Nach einigen Aufnahmen tauchten wir wieder hoch bis zum Oberdeck und durch eine Tür in den nächsten Raum. Hier ist eine große Küche zu finden mit drei riesigen Kochkesseln. Die müssen damals richtig Hunger gehabt haben.

Weiter in den nächsten Laderaum. Dieser ist gefüllt mit unzähligen Weinflaschen, fast alle leider entkorkt. Zwei Ecken weiter stehen drei Fiat 1100 Lunga einfach vor einem, nebeneinander, etwas surreal. Eng aneinander gequetscht aufgrund der Schräglage. Leider haben Souvenierjäger einige Teile gestohlen. An den Autos vorbei gelangt man in den nächsten Frachtraum. Hier wurde es ein bisschen „spooky“, denn hier liegen fein aufgereiht Tonnen von Bomben. Direkt daneben die Zünder. Ein wenig weiter unzählige Kisten voll mit scharfer Gewehrmunition. Sicher nicht mehr zu gebrauchen, aber wer weiß… Also Finger weg! Nur gucken, nicht anfassen. Und vor allem keine Kisten mitnehmen oder versuchen zu öffnen!

Leider ging dieser unglaubliche Tauchgang viel zu schnell rum. Nach 80 Minuten stiegen wir aus dem Wasser. Schnell zurück an Bord der Seawolf Dominator, Videomaterial sichten. Nach einer doch ein bisschen kürzer ausgefallenen Oberflächenpause müssen wir unbedingt nochmal hin, da wir noch immer nur einen Bruchteil des Wracks erkunden konnten.

In der Mitte des Wracks türmen sich Berge von Zementsäcken. Bedrohlich gekippt lassen sie den Gedanken aufkeimen: „Was wohl passiert, wenn die kippen, wenn ich grad hier drin bin?“ Gedanken löschen, weitertauchen. In jeder Ecke gab es was zu entdecken. Kabel, Kisten, unzählige Flaschen, an den Wänden herrlicher Bewuchs, ein wahnsinniges Lichtspiel durch die einfallende Sonne.

Etwas beengt tauchten wir durch eine Tür in einen sehr schmalen Gang. Zu dritt quetschten wir uns nacheinander durch eine Engstelle. Die Sicht war in Sekunden gleich Null. Durch eine weitere Tür kamen wir in einen großen Raum, in dem das Wasser wieder kristallklar war. Es scheint sich um die Messe zu handeln. Durch die Fenster schimmerten gespenstisch einige Lichtstrahlen und wenige Fische schwammen in dem großen Raum herum. Kurzen Check und wieder zurück. Dieses Mal den Gang in die andere Richtung. Vorbei an einer sehr fotogenen Krabbe, die offensichtlich nicht mit uns gerechnet hat. Durch eine kleine Luke waren wir wieder in einem Lagerraum und direkt über unseren Köpfen hing eine alte Schubkarre. Echt ein wahnwitziger Tauchgang. Leider muss auch der schönste Tauchgang mal ein Ende haben. Also raus auf´s Zodiac und zurück an Bord. Videos sichten und Akkus aufladen. Entdeckungen austauschen. Was ein geiler Tauchgang.

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Am nächsten Tag geht´s zurück nach Deutschland. Aber ein kurzer, „flacher“ Tauchgang geht noch. Wir haben ja Nitrox im Tank. Also nochmal in jede Ecke des Wracks schauen. Und auch hier finden wir Dinge, die wir in den vergangenen drei Tauchgängen nicht gesehen haben: Ein Badezimmer mit Wanne, Klo und Waschbecken, eine kleine Küche mit Backofen und allem Drum und Dran bis vorn zum Bug, wo die Ankerketten noch am Schiff hängen und sich auf dem Sandboden schlängeln. Der Vernunft halber machen wir diesen Tauchgang nur 45 Minuten lang. Zum Abschluss tauchen wir zurück über die obere Reeling, wo die Sonne nochmal alles gibt und uns dadurch einen letzten unvergesslichen Augenblick auf dieses wunderbare Wrack erleben lässt. Ein wahnsinniges Lichtspiel wie man es nur aus dem Fernsehen kennt. Tauchen Best of Sudan – Mission Complete. Zeit für ein ägyptisches Kaltgetränk und gemütlich auf dem Oberdeck in nem Sitzsack nochmals die Woche Revue passieren lassen.

Fazit

Mein Fazit: Ja, Mama. Ich bin bekloppt… Und das sogar sehr gerne. Der Sudan ist ein traumhaftes, nicht touristisch versautes, fremdenfreundliches, gastfreundliches und vor allem sauberes Land. Die Anreise ist mitunter ein wenig anstrengend. Die Seawolf Domiator ist ein riesiges Schiff. Die Crew ist unglaublich serviceorientiert (immer da, wenn man sie braucht, zu keiner Zeit aufdringlich, meist eher unsichtbar). Die Route Best of Sudan könnte vielleicht noch den einen oder anderen Nachttauchplatz gebrauchen. Die Organisation über den Reiseveranstalter www.seawolf-diving.de klappte reibungslos (Flüge/Visum/Transfer/Versicherungen).

Mein Tipp: Mein Vodafone funktionierte im Sudan grundsätzlich nicht. Vor Ort gibt es aber in Port Sudan Prepaid-Karten für den kurzen Anruf zu Hause. Auf dem Wasser seid ihr ganz sicher ohne Empfang zur Außenwelt (echter Urlaub!). Ohrentropfen solltet ihr einpacken. Wenn Ihr Pluspunkte bei der Crew sammeln wollt: Schokolade mitbringen.

An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an:

Cici, Helga, Sherif, Sibylle, Joachim, Rene, Mario, Andi, Bernd, Corinna, mein Homie Timo & die Crew der Seawolf Domiator: Mohamed Aid, Amer, Ezz, Aswane, Mostafa, Metwaly, Ahmed (die Muräne), Amrr, Naser, Mohi, Gabra und unsere zwei Mega Guides Mahmoud & Akram


Mehr Videos von Michael Krengel gibt es in seinem YouTube-Kanal und auf seiner Facebook-Seite Lefthandfilms.

Bilder von Michael Krengel und Team Seawolf Dominator

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